Grundschule Styrum: 11 Jahre bis zur Übergabe
In Mülheim an der Ruhr wird die Grundschule Styrum seit 2019 gebaut, 2025 flossen von knapp 2 Millionen Euro nur 87.344 Euro, 4 Prozent
Was ist passiert?
Die Stadt saniert und erweitert gleichzeitig mehrere Schulen und Sporthallen. Zu den ältesten Baustellen zählt die Grundschule Styrum an der Augustastraße. Die Bezirksvertretung 2 beschloss das Vorhaben schon im Juni 2015, gebaut wird seit dem Frühjahr 2019. Veranschlagt sind 12,07 Mio. Euro, nachdem der Finanzausschuss 2021 und 2023 Mehrkosten bewilligt hatte. Die Schule soll nun Ende der Sommerferien 2026 an die Nutzer übergeben werden. Das wären rund siebeneinhalb Jahre Bauzeit.
Im Dezember 2024 kündigte die Stadt dem Generalplaner aus wichtigem Grund. Um die Baustelle nicht stillstehen zu lassen, sollten übergangsweise Architekten und Fachplaner einspringen, doch die zogen ihre Angebote zurück. Erst Mitte Juni 2025 übernahm ein Architekturbüro die planerischen Restleistungen. Dazu kam die Kündigung der Trockenbaufirma, deren Arbeiten neu ausgeschrieben werden mussten. Ein Neustart war frühestens ab Mitte Dezember 2025 möglich. Von knapp zwei Millionen Euro Projektmitteln für 2025 waren bis Ende Oktober gerade 87.344 Euro abgeflossen. Das sind rund 4 Prozent (87.344 : 1.998.229).
Styrum steht nicht allein. An der Realschule Broich kündigte die Stadt im Dezember 2024 ebenfalls dem Architekten. Die Fassadenerneuerung, 2016 beschlossen und 2020 begonnen, soll im 2. Quartal 2026 enden und kostet 11,44 Mio. Euro. Eine weitere Mehrkostenvorlage liegt in der Beratung. Ein Heizungs- und Sanitärbetrieb meldete Insolvenz an. Bei der Sporthalle der Gesamtschule Saarn musste nach dem Baustart im Juni 2025 die Abbruchfirma wegen Vertragswidrigkeiten gekündigt werden. Ihre Restleistungen wurden neu ausgeschrieben, die Förderfrist für drei Millionen Euro wurde bis Ende 2026 verlängert.
Die Verwaltung verweist auf Lieferketten, die Wirtschaftslage, Insolvenzen, ausbleibende Angebote und Altschäden in alten Gebäuden. Für die Kündigungen von Planern und Firmen nennt die Vorlage keinen dieser Gründe.
Kritik
Wer ein Schulgebäude über Jahre baut, zahlt jede Verzögerung doppelt: mit höheren Preisen und mit Klassen, die auf Ersatzräume ausweichen müssen. Dass an mehreren Schulen Planer und Firmen mitten im Bau gekündigt werden mussten, deutet auf Mängel bei Auswahl und Kontrolle hin. Die Stadt sollte Planer und Baufirmen vor der Vergabe strenger prüfen und deren Leistungen früher kontrollieren, damit Probleme nicht erst nach Jahren zu Kündigungen führen. Bei einem Vorhaben, das 2015 beschlossen wurde und 2026 fertig werden soll, ist Geduld der Bürger kein Ersatz für Planung.
1001071: Bericht des ImmobilienService über die laufenden Baumaßnahmen - Stand 31.10.2025, Ratsinformationssystem der Stadt Mülheim an der Ruhr, 27. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.