Staatsbilanz

Stadt/Mülheim an der Ruhr/Fehlplanung

Mülheim: 690.000 Euro für eine Tennishalle

Mülheim zahlt einem Tennis- und Hockeyclub 690.000 Euro Sportgeld, fast dreimal so viel wie das Land 2026 bereitstellt, obwohl eine Kürzung galt

Was ist passiert?

Der Hockey- und Tennisclub Uhlenhorst baut unter dem Titel „Zukunft HTCU“ eine Tennishalle und Padel-Plätze. Die Stadt unterstützt das Vorhaben aus der Sportpauschale, einem Topf, den das Land Nordrhein-Westfalen bewilligt und aus dem eigentlich viele Vereine bedacht werden sollen.

Den Anfang machte der Sportausschuss im April 2024 mit einer Beihilfe von 540.000 Euro. Im Juni 2025 legte er weitere 150.000 Euro drauf, begründet mit gestiegenen Baukosten und höheren Gebühren. Allerdings stand die Zusage unter einem Vorbehalt: Sollten die städtischen Gebühren ermäßigt oder ganz erlassen werden, sollte sich der Betrag verringern.

Genau das ist geschehen. Dem Verein wurden die Gebühren für die Baugenehmigung auf Antrag erlassen. Nun soll der Sportausschuss am 13. Juli 2026 beschließen, die 150.000 Euro trotzdem nicht zu kürzen. Die Verwaltung stützt sich dabei auf den Vereinsvorsitzenden. Dieser hatte im Mai 2026 vorgetragen, die Kostenschätzung habe sich seit 2021 verdoppelt, der Eigenanteil liege nun bei 1,15 Millionen Euro, und allein die Tennishalle koste brutto 2,9 Millionen Euro, rund 800.000 Euro mehr als zuvor. Wegen dieser „enormen finanziellen Belastung“ möge man auf die Kürzung verzichten. Die Sportverwaltung folgt dieser Bitte. Wie hoch die erlassenen Gebühren waren, nennt die Vorlage nicht.

Damit steigt die Beihilfe auf 690.000 Euro. Die Sportpauschale des Landes beträgt 2026 gerade 239.144 Euro, die Beihilfe für den einen Club ist also fast dreimal so hoch (690.000 : 239.144 ≈ 2,9). Möglich ist das nur, weil aus 2025 noch gut eine Million Euro übertragen wurden. Von den bereits gebundenen 872.450 Euro entfallen rund 79 Prozent auf dieses eine Projekt (690.000 : 872.450).

Kritik

Wer einen Vorbehalt beschließt, muss ihn auch anwenden, wenn die Bedingung eintritt. Der Verein bekommt nun die Gebührenbefreiung und die volle Beihilfe, obwohl die höheren Gebühren ein Teil der ursprünglichen Begründung waren. Dass die Gesamtkosten gestiegen sind, ist das Risiko des Bauherrn und kein Grund, eine beschlossene Bedingung nachträglich zu kippen. Die Pauschale ist für viele Vereine gedacht, und sie sollte nicht zu fast vier Fünfteln der gebundenen Mittel in ein einziges Projekt fließen. Der Ausschuss sollte die Kürzung vollziehen und die Mittel für kleinere Anträge freihalten.

1002111: Bewilligung einer Beihilfe an den Hockey- und Tennisclub Uhlenhorst e. V. für das Projekt "Zukunft HTCU", Ratsinformationssystem der Stadt Mülheim an der Ruhr, 13. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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