Saniertes Museum ohne Strom und Heizung
Das 500 Jahre alte Tersteegenhaus in Mülheim ist 2026 saniert, doch Strom und Heizung sollen in einen Neubau, den noch keiner beschlossen hat
Was ist passiert?
Das Tersteegenhaus in der Mülheimer Altstadt ist ein denkmalgeschütztes Fachwerkhaus von etwa 1530 und dient als Heimatmuseum. Seit einigen Jahren wird es in Abschnitten saniert, mit Fördergeld von Bund und Land Nordrhein-Westfalen für den Denkmalschutz. Der erste Bauabschnitt mit Hausschwammsanierung und Fachwerkausfachung ist abgeschlossen. Der zweite, mit Fassade, Dach und Innenausbau, soll bis Ende 2026 fertig sein.
Dann steht das Haus saniert da, aber es lässt sich nicht betreiben. Denn Sicherheitstechnik, Stromversorgung und Heizungsanlage wurden nicht im Altbau, sondern im geplanten Neubau eines Verbindungsbaus vorgesehen. Dieser dritte Bauabschnitt ist noch nicht beschlossen, geschweige denn gebaut. Die Stadt räumt selbst ein, dass die technischen Anlagen nach dem zweiten Abschnitt zunächst nicht betriebsfähig sind. Ohne den Neubau sei eine museale Nutzung nicht möglich. Dort sollen außerdem ein Aufzug, barrierefreie Toiletten, ein Empfangsbereich und ein Seminarraum entstehen.
Für den Neubau will die Stadt Städtebaufördermittel nutzen, die im Nachgang innerhalb von sieben Jahren zu 80 Prozent erstattet werden. Vorfinanzieren muss die Stadt den Betrag zunächst in voller Höhe. Weil die Bezirksregierung die Antragsfrist auf den 3. Juni 2026 setzte, nur 28 Tage nach ihrer Mitteilung vom 6. Mai, reichte die Verwaltung den Antrag samt Tersteegenhaus ein, bevor der Rat zugestimmt hatte. Den Ratsbeschluss holte sie am 16. Juli nach, also 43 Tage nach Fristende (27 Tage im Juni plus 16 im Juli). Die Verwaltung führt an, die Bezirksregierung habe dieses Vorgehen ausdrücklich zugelassen. Andernfalls hätte der Antrag in Teilen zurückgezogen werden müssen. Einen Baubeschluss soll es erst geben, wenn die Förderung sicher ist. Der Eigenanteil ist dann im Haushalt einzuplanen.
Kritik
Wer ein Museum saniert und dabei Heizung, Strom und Sicherheitstechnik in einen Neubau legt, der noch nicht finanziert ist, macht die bereits geförderten Bauabschnitte von einem ungewissen dritten abhängig. Bis dahin steht ein fertig saniertes Denkmal ohne Betrieb da, und die Förderzusage entscheidet darüber, ob es überhaupt je genutzt werden kann. Die Haustechnik hätte so geplant werden müssen, dass sie das sanierte Haus auch ohne den Neubau versorgt, oder der Neubau hätte gleich zu Beginn mit dem Gesamtkonzept finanziert werden müssen. Dass die Stadt den Antrag stellte, bevor der Rat zustimmte, zeigt zudem, wie sehr die Fördertermine das Vorgehen bestimmen und nicht der sinnvolle Bauablauf.
1002088: Integriertes Handlungskonzept "Grüne Mitte Mülheim" im Kontext der IGA 2027 in der Metropole Ruhr; hier: Aufnahme des 3. Bauabschnitts (Anbau /Neubau) des Heimatmuseums Tersteegenhauses in den STEP 2026 der Städtebauförderung, Ratsinformationssystem der Stadt Mülheim an der Ruhr, 29. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.