Mülheimer Grundschule: 25 statt 15 Millionen
Für die Grundschule an der Zastrowstraße in Mülheim an der Ruhr steigen die Kosten von 15,1 auf 25,5 Millionen Euro, weil Altbauten abgerissen werden
Was ist passiert?
Die Grundschule an der Zastrowstraße besteht aus mehreren Gebäudeteilen. Das Hauptgebäude sollte saniert, der Pavillon-Bauteil 4 durch einen modularen Anbau ergänzt werden. Beschlossen wurde das Paket 2015 und noch einmal 2020, mit Gesamtkosten von rund 15,08 Mio. Euro.
Dann fielen im Bestandsgebäude Bauteil 5 erhebliche Betonschäden auf. 2023 erklärte die Stadt die Sanierung für unwirtschaftlich und meldete 1,3 Mio. Euro Mehrkosten an. Statt zu sanieren und anzubauen, sollen nun die Bauteile 4 und 5 abgerissen und durch einen gemeinsamen Ersatzneubau in Modulbauweise ersetzt werden. Die Gesamtkosten sollen damit auf 25,5 Mio. Euro steigen, gut 10,4 Mio. Euro über dem Beschluss von 2015/2020 (25,5 minus 15,08), also rund 69 Prozent mehr.
Allein beim Ersatzneubau kommen 7,5 Mio. Euro hinzu: 1,9 Mio. Euro, weil der Anbau noch nach den Preisen von 2019 kalkuliert war, 3 Mio. Euro Baukostensteigerung, 1,6 Mio. Euro für zusätzliche 400 Quadratmeter für Essensversorgung und ein Familiengrundschulzentrum, 0,6 Mio. Euro für den Abbruch und 0,4 Mio. Euro für Beratung und Steuerung. Die 400 Quadratmeter kosten damit 4.000 Euro je Quadratmeter (1,6 Mio. geteilt durch 400). Für die beiden Bauteile 4 und 5 waren ursprünglich 3,8 Mio. Euro angesetzt (2,5 plus 1,3). Jetzt sind es 12,6 Mio. Euro, das Dreifache und noch ein Drittel obendrauf.
Die Verwaltung begründet das mit einem Modulbau, der heute hochwertig und langlebig sei und deshalb mehr koste als früher. Hinzu kommt eine Stiftung, die 2 Mio. Euro Zuschuss zahlt, aber die Modulbauweise verlangt. Das klingt plausibel, erklärt aber nicht, warum 2020 noch mit der Preisbasis von 2019 gerechnet wurde.
Besonders unglücklich: Der zweite Rettungsweg für Bauteil 3 sollte über den entfallenden Bauteil 4 führen. Nun muss ein Treppenhaus gebaut werden, und bis dahin stehen temporäre Gerüsttreppen. Dieser Bedarf war in den bisherigen Kosten nicht enthalten. Ob die Mehrkosten teilweise über das Startchancen-Programm des Bundes gedeckt werden können, wird noch geprüft.
Kritik
Wer 2020 einen Anbau beschließt, muss mit den Preisen von 2020 rechnen und nicht mit denen von 2019. Dass ein Rettungsweg über ein Gebäude geplant wurde, das später wegfällt, zeigt eine Planung, die den Bestand nicht zu Ende gedacht hat. Wenn eine Stiftungsvorgabe die Bauweise festlegt, muss vor dem Beschluss gerechnet werden, ob 2 Mio. Euro Zuschuss die Mehrkosten gegenüber einem konventionellen Neubau tatsächlich ausgleichen. Die zusätzlichen 400 Quadratmeter zu 4.000 Euro je Quadratmeter sind ein Wunschzuschlag, der sich am Bedarf messen lassen muss, nicht an neuen Konzeptbegriffen.
1000910: Sanierung und Ausbau der GGS Brüder-Grimm-Schule Zastrowstraße Änderung des Baubeschlusses vom 12.06.2015 bzw. 24.07.2020 als Kombinierter Planungs- und Baubeschluss für den Ersatzneubau in Modulbauweise sowie Mehrkosten bei der Gesamtsanierung, Ratsinformationssystem der Stadt Mülheim an der Ruhr, 30. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.