Sportplatz in Mülheim wird 660.000 Euro teurer
Der Umbau der Anlage an der Mintarder Straße kostet 3,489 statt 2,828 Millionen Euro, weil der Regen vom neuen Belag nicht versickern kann
Was ist passiert?
Die städtische Sportanlage an der Mintarder Straße soll zu einem Leichtathletikstadion umgebaut werden: mit Kunststoffrundlaufbahn, LED-Trainingsbeleuchtung und einer teilüberdachten Stehtribüne. Der Bund fördert das Vorhaben aus einem Programm für kommunale Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen mit einem verlorenen Zuschuss von 1,834 Mio. Euro. Im März 2024 beschloss die Bezirksvertretung den Umbau auf Grundlage von 2,828 Mio. Euro brutto.
Dann kam die Ausführungsplanung, und mit ihr das Wasser. Der neue Kunststoffbelag versiegelt 5.615 Quadratmeter Sportfläche, der Regen kann dort nicht mehr versickern. Die fünf vorhandenen Sickerschächte reichen dafür nicht aus, eine Rückhaltung ist wegen der schwierigen Bodenverhältnisse nicht möglich, und der direkte Weg in die Ruhr führt durch ein Schutzgebiet und scheidet aus. Die Verwaltung plante die Entwässerung des Großspielfeldes daher „von Grund auf neu“. Nun soll ein fast 100 Meter langer Kanal das Regenwasser in die Verrohrung des Schengerholzbachs leiten, dazu kommen Filter, die Kunststoffpartikel der Laufbahn zurückhalten.
Die Rechnung dafür: Die Gesamtkosten steigen auf 3,489 Mio. Euro brutto, also um 660.000 Euro oder gut 23 Prozent (660.000 : 2.828.000). Die Verwaltung nennt als Gründe die geänderte Entwässerung und weiter gestiegene Baukosten. Auffällig ist der Preisstand: Die Tabelle der Vorlage führt für September 2021 netto 2,377 Mio. Euro auf, mit 19 Prozent Umsatzsteuer sind das rund 2,83 Mio. Euro und damit offenbar der Betrag des Beschlusses von 2024. Bis September 2025 stiegen die Nettokosten auf 2,932 Mio. Euro.
Der Zuschuss des Bundes bleibt bei 1,834 Mio. Euro, die Stadt trägt alles Weitere selbst. Ihr Anteil wächst damit von 0,994 Mio. Euro (2,828 minus 1,834) auf 1,655 Mio. Euro (3,489 minus 1,834), um rund zwei Drittel. Das Geld soll im Entwurf des Teilfinanzplans 2026/2027 ohne Ausweitung des Fachbereichsbudgets eingeplant werden. Gebaut werden soll ab März oder April 2026, der Fördergeber hat den Zeitplan dafür verlängert.
Kritik
Dass ein wasserdichter Belag auf 5.615 Quadratmetern Regenwasser nicht versickern lässt, ist keine Überraschung der Bauphase, sondern gehört in die Planung vor dem Baubeschluss. Wer 2024 auf einem offenbar drei Jahre alten Preisstand beschließt, bestellt die Nachforderung gleich mit. Weil der Bundeszuschuss festliegt, zahlt die Stadt die Differenz allein, und ihr Eigenanteil wächst um zwei Drittel. Entwässerung und aktuelle Baupreise hätten vor dem Beschluss geklärt werden müssen, dann hätten die Gremien über die echten Kosten entschieden.
1001034: Mehrkosten im Zusammenhang mit der Sanierung der Sportanlage an der Mintarder Straße als Leichtathletikanlage Typ B mit Kunststoffrundlaufbahn und Trainingsbeleuchtungsanlage, Ratsinformationssystem der Stadt Mülheim an der Ruhr, 29. Januar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.