Staatsbilanz

Stadt/München/Folgekosten

2 Millionen in zehn Jahren für einen Treffraum

München zahlt in Allach-Untermenzing 205.200 Euro im Jahr für einen Treffraum für Nachbarn, obwohl der Bedarf dort sinkt

Was ist passiert?

Im Münchner Stadtbezirk Allach-Untermenzing entsteht auf einem früheren Lager- und Logistikareal das Neubaugebiet Kirschgärten. Ein privater Bauträger errichtet dort ein neues Quartier mit Schule, Kitas und Grünflächen. Die Stadt fördert in solchen Quartieren Nachbarschaftstreffs, die Bewohner vernetzen und Ehrenamt aktivieren sollen. Auch in den Kirschgärten soll ab Juni 2027 einer öffnen.

Der Treff kostet dauerhaft 205.200 Euro im Jahr. Allein die Stelle der Treffleitung schlägt mit 88.531 Euro zu Buche, die Miete samt Nebenkosten mit 65.890 Euro. Für die vorgesehenen 150 Quadratmeter Nutzfläche sind das gut 1.368 Euro je Quadratmeter und Jahr (205.200 Euro geteilt durch 150). Über zehn Jahre summiert sich der Zuschuss auf rund 2,05 Mio. Euro. Eigene Einnahmen werden nicht vor Mitte 2028 erwartet.

Dabei räumt die Verwaltung selbst ein, dass der Bedarf geringer ausfällt als gedacht. Der Freistaat stellt kaum noch Fördermittel bereit, deshalb entfällt im zweiten Bauabschnitt die Förderung für 143 Wohnungen. Die Bewohnerschaft werde sich anders zusammensetzen, der Beratungsbedarf „etwas geringer“ ausfallen. Zusätzliche Mittel gibt es wegen der angespannten Haushaltslage nicht. Das Geld kommt aus dem Nachbarschaftsbüro Nordhaide, das teilweise geschlossen wird und noch 86.078 Euro bereitstellt. Die fehlenden 119.122 Euro sollen aus einer zurückgehaltenen Rate über 249.000 Euro stammen, die eigentlich zur Stärkung bestehender Treffs gedacht war. Das ist knapp die Hälfte dieser Rate.

Stadtkämmerei und Bezirksausschuss des betroffenen Stadtbezirks 11 lehnten die Vorlage ab. Die Verwaltung hält dagegen: Die Räume seien schon im Rohbau, eine andere Nutzung nicht mehr möglich, und ohne Beschluss drohe Leerstand. Die Vorlage sei außerdem „budgetneutral“. Der Vollversammlung des Stadtrats lag sie im Juli 2026 zur endgültigen Entscheidung vor, ihr Ausgang ist unbekannt.

Kritik

Wer einen bestehenden Standort verkleinert, um einen neuen zu bezahlen, spart nichts, sondern verschiebt nur Geld. Dass ein Rohbau schon steht, ist kein Grund, dauerhaft über zwei Millionen Euro je Jahrzehnt zuzusagen, zumal die Stadt den sinkenden Bedarf selbst einräumt. Die Mittel, die eigentlich bestehende Treffs stärken sollten, fehlen nun dort. Die Stadt hätte den Treff kleiner planen oder erst nach dem Bezug und nach messbarem Bedarf einrichten müssen.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 00534: Angebote im Sozialraum Einrichtung eines Nachbarschaftstreffs im Quartier Kirschgärten Änderu..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 9. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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