München: 2,8 Mio. Euro für Olympia ohne Zusage
Die Olympia-Bewerbung kostet München grob 15 bis 20 Mio. Euro, acht neue Stellen schon 2,8 Mio., obwohl offen ist, ob die Stadt weiterkommt
Was ist passiert?
München will Olympische und Paralympische Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 ausrichten. Der Deutsche Olympische Sportbund hat die Stadt am 26.09.2026 als Bewerber gewählt. Das IOC will im März 2027 entscheiden, wer in die nächste Runde kommt, und die Spiele 2036 im Juli 2029 vergeben.
Schon vorher stellte die Landeshauptstadt eine eigene Mannschaft auf. Beim Oberbürgermeister entstand eine Stabsstelle „Olympiabewerbung“ mit drei Stellen, die bereits im November 2026 loslegen sollte. Die Leitung in Besoldungsgruppe A16 gibt es im Stellenplan 2026 gar nicht. Sie wird deshalb als Überplanstelle geschaffen. Weitere vier Stellen im Direktorium und im Referat für Bildung und Sport sollen folgen, allerdings nur, falls das IOC München im Frühjahr 2027 auswählt. Eine bestehende Stelle wird bis Ende 2029 verlängert. Zusammen sind das acht Vollzeitstellen für 918.980 Euro pro Jahr von 2027 bis 2029, dazu 58.500 Euro für 2026. Das sind 2.815.440 Euro (3 × 918.980 + 58.500), rund 2.500 Euro pro Kalendertag. Bei Beamten kommen Pensions- und Beihilferückstellungen von etwa 40 Prozent hinzu.
Bezahlt werden soll das Ganze aus einem Topf, der eigentlich für etwas anderes gedacht war. Das Sportreferat hatte 1,78 Mio. Euro für die Leichtathletik-WM eingeplant, weil man von 2029 als Austragungsjahr ausging. Die WM findet nun 2031 statt, ihre Kosten strecken sich bis 2033. Also wird das Geld für 2027 „umgewidmet“: 1,3 Mio. Euro für die Bewerbungsgesellschaft und 0,48 Mio. Euro für das Sportreferat. Die Stadtkämmerei erinnerte allerdings daran, dass diese Mittel erst im Eckdatenbeschlussverfahren 2027 beantragt und noch nicht abschließend genehmigt sind. Die Personalkosten stehen in keinem Budget. Auch die mehrmonatige haushaltslose Zeit ab 1. Januar 2027 macht die Sache nicht einfacher.
Die Gesamtkosten der Bewerbung schätzt die Stadt „sehr grob“ auf 15 bis 20 Mio. Euro bis 2029, allein 5 bis 6 Mio. Euro im Jahr 2027. Der städtische Anteil 2027 liegt bei rund 1,2 Mio. Euro, in der Kostentabelle taucht für dieselbe Aufgabe jedoch 1,6 Mio. Euro auf. Wie viele Stellen die übrigen Referate noch anmelden, ist offen. Die Eile begründete die Verwaltung mit dem „äußerst zeitkritischen“ Bewerbungsprozess. Der Stadtrat stimmte am 21.10.2026 gegen die Stimmen von Linke, ÖDP/BK/ML, PARTEI und AfD zu.
Kritik
Die Stadt baut einen Verwaltungsapparat auf, bevor feststeht, ob München überhaupt in die nächste Runde kommt. Dafür räumt sie ein WM-Budget leer, das ihr erst noch bewilligt werden muss, und schafft für die Leitung sogar eine Stelle über dem Stellenplan. Bei Gesamtkosten von 15 bis 20 Mio. Euro, die selbst die Verwaltung nur „sehr grob“ schätzt, und zwei verschiedenen Zahlen für den städtischen Anteil fehlt die Grundlage für solche Zusagen. Sinnvoller wäre es gewesen, mit einer schlanken Besetzung aus vorhandenem Personal zu starten und alles Weitere erst nach der IOC-Entscheidung im März 2027 und mit einem belastbaren Wirtschaftsplan zu beschließen.
Sitzungsvorlage 26-32 / V 01816: Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 - Einrichtung einer Stabs..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 22. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.