4,95 Millionen Euro für zwei Sportplätze
München zahlt in Pasing fast 5 Millionen Euro selbst, weil der Bund statt 4,5 Millionen nur 550.000 Euro gibt; die Stadt trägt nun 90 statt 55 Prozent
Was ist passiert?
Auf der Freisportanlage an der Aubinger Straße 12 im Münchner Stadtbezirk Pasing-Obermenzing spielen die Fußball- und Hockeyabteilung der TSG Pasing sowie der FC Azadi. Die Anlage soll modernisiert werden. Geplant war ein Paket für 10,0 Mio. Euro, bei dem der Bund bis zu 45 Prozent übernehmen sollte. Für die Stadt wären 5,5 Mio. Euro übrig geblieben.
Da die Stadt wegen der nötigen Haushaltskonsolidierung kein zusätzliches Geld aus dem allgemeinen Haushalt bereitstellen konnte, setzte die Verwaltung auf den Bundeszuschuss. Für den Fall einer Absage hatte der Stadtrat vorsorglich eine abgespeckte Variante für 5,5 Mio. Euro beschlossen, die vor allem aus Bauunterhaltsmitteln des Referats für Bildung und Sport bezahlt werden sollte.
Der Fall trat ein: Statt 4,5 Mio. Euro (45 Prozent von 10,0 Mio.) stellte der Bund nur 550.000 Euro in Aussicht, also 5,5 Prozent. Am 7. Oktober 2026 beschloss der Sportausschuss die kleine Lösung. Der Tennenplatz wird zum Kunstrasenplatz, der Hockeyplatz erneuert, dazu kommen Ausstattung, Beregnung, Flutlicht und Ballfangzäune.
Die Rechnung dahinter ist ernüchternd. Der Stadtanteil sinkt von 5,5 auf 4,95 Mio. Euro, also um gerade 550.000 Euro, während das Projekt um 4,5 Mio. Euro schrumpft. Die Stadt zahlt nun 90 Prozent der Kosten (4,95 geteilt durch 5,5), statt der ursprünglich vorgesehenen 55 Prozent.
Die Verwaltung begründet das mit dem Sportbetrieb: Die dringendsten Maßnahmen müssten in jedem Fall erfolgen. Bei der TSG Pasing sind 768 Mitglieder gemeldet, davon 483 im Fußball, darunter nur 11 Frauen, und 285 im Hockey. Für den FC Azadi liegen keine Angaben vor. Auf die TSG-Mitglieder gerechnet sind das gut 6.400 Euro städtisches Geld je Mitglied (4,95 Mio. geteilt durch 768). Die Umsetzung soll von 2026 bis 2029 laufen.
Kritik
Eine Stadt, die nach eigener Auskunft kein zusätzliches Geld aus dem allgemeinen Haushalt hat, gibt hier fast fünf Millionen Euro für zwei Plätze aus. Bei einer Förderquote von 5,5 statt 45 Prozent hätte das Vorhaben noch einmal auf den Prüfstand gehört, statt die Rückfalllösung unverändert zu beschließen. Zu prüfen wäre gewesen, ob die Erneuerung eines Platzes genügt und wie stark die Anlage tatsächlich genutzt wird. Wer auf eine hohe Förderung hofft und für den Misserfolg schon die Umschichtung bereithält, plant am Ende vor allem eines: den Bau, egal was der Bund zahlt.
Sitzungsvorlage 26-32 / V 01382: Bundesprogramm "Sanierung kommunaler Sportstätten" Sportbauprogramm - Teil 1 ,,Neubau, Erweiteru..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 1. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.