Staatsbilanz

Stadt/München/Fehlplanung

Privates Silvesterfest mit Technik der Stadt

München lieh für die Silvestermeile an der Ludwigstraße Technik für 1,28 Millionen Euro Versicherungswert, obwohl sie privat bezahlt sein sollte

Was ist passiert?

Die Münchner Ludwigstraße ist eine breite Prachtstraße zwischen Siegestor und Innenstadt. Dort feierten zum Jahreswechsel 2025/26 erstmals zahlende Gäste die „Silvestermeile“ mit vier Musikbühnen, Lichtkunst und 16 Foodtrucks. Veranstalter war die private G.R.A.L. GmbH.

Dabei hatte der Stadtrat 2023 eine eigene städtische Silvestershow mit Sachmitteln in knapp siebenstelliger Höhe noch abgelehnt. Stattdessen befürwortete er 2024 das Konzept des Privatunternehmens, ausdrücklich als „rein privatwirtschaftlich finanziertes“ Pilotprojekt. Ganz ohne Steuergeld kam es dann aber nicht aus. Das Kulturreferat stattete drei der vier Bühnen sowie die Beleuchtung der Universitätsgebäude mit städtischem Equipment aus, dessen Versicherungswert 1.278.496,94 Euro beträgt. Dazu kamen sieben städtische Fahrzeuge und Personal, das je fünf Tage auf der Baustelle und zusätzlich im Logistikzentrum arbeitete. Die Begründung: Die Technik sei ohnehin frei gewesen, weil das Lager zwischen den Feiertagen geschlossen ist.

Das Kreisverwaltungsreferat verzichtete auf Sondernutzungsgebühren, aus „öffentlichem Evaluierungsinteresse“. Aus dem Tourismusfonds flossen 25.000 Euro für Anzeigen. Das Baureferat löste Kosten von 19.833 Euro aus, davon 19.123 Euro für Terrorabwehrelemente, die das Kreisverwaltungsreferat trug. Das Mobilitätsreferat berichtete von mehr als vier Arbeitswochen und über 300 E-Mails. Das Verkehrskonzept des Veranstalters sei „nicht brauchbar“ gewesen und musste komplett neu erarbeitet werden.

Der Zuspruch blieb mager. Der Veranstalter nannte rund 10.000 Gäste, obwohl die Fläche für bis zu 20.000 vorgesehen war. Die Polizei verwies auf die niedrige Zahl im Vergleich zur Fläche. Allein die belegten Barzahlungen von 44.833 Euro (25.000 + 19.833) ergeben bei 10.000 Gästen gut 4,48 Euro pro Gast. Den Personaleinsatz hat die Stadt nicht beziffert. Am 17. September 2026 zog der Veranstalter seine Anträge für 2026/27 zurück.

Kritik

Wo „rein privat“ beschlossen wird, darf nicht über Technik, Personal, Gebührenverzicht und Marketingmittel doch die Stadt einspringen. Die Hilfen hätten vorab beziffert und dem Stadtrat vorgelegt werden müssen. Ebenso hätte die Stadt von dem Veranstalter ein tragfähiges Verkehrs- und Größenkonzept verlangen müssen, bevor die Verwaltung wochenlang Planungsvarianten durchspielte. Wer ein Pilotprojekt unterstützt, sollte zumindest die Sicherheitskosten und den Technikeinsatz in Rechnung stellen.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 00848: Evaluierungsbericht zur Silvestermeile 2025/26, Ratsinformationssystem der Stadt München, 30. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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