617.000 Euro für kaputte Heizung im Pflegeheim
München zahlt 617.000 Euro für die Heizung eines Pflegeheims von 1940, obwohl der schlechte Zustand seit 2018 bekannt ist
Was ist passiert?
München (BY). Das Haus an der Rümannstraße in Schwabing-Freimann ist ein Alten- und Pflegeheim mit 275 Plätzen in der vollstationären Pflege. Das Gebäude stammt von 1940, gehört der Landeshauptstadt und ist an die Münchenstift GmbH verpachtet. Für größere Reparaturen ab 1.000 Euro muss die Stadt zahlen.
Zum Jahreswechsel 2025/2026 fiel die Heizung aus. Mehrere Lecks ließen den Druck im Netz abfallen, die Anlage schaltete sich ab. Die Warmwasserrohre sind noch mit Schellen verbunden, die bei Abkühlung undicht werden. Die Wärme wurde zunächst mit kurzfristigen Maßnahmen wiederhergestellt. Eine Schadensanalyse ergab dann, dass punktuelle Reparaturen nicht mehr genügen. Am 19. August 2026 bewilligte der Feriensenat des Stadtrats 617.000 Euro aus zentralen Mitteln. Die Verwaltung nennt das unplanbar und unabweisbar, denn der Ausfall sei erst nach dem letzten Eckdatenbeschluss eingetreten.
Der Ausfall selbst war tatsächlich nicht vorherzusehen, der Zustand des Hauses aber sehr wohl. Der Stadtrat befasste sich seit 2018 mit Sanierungsüberlegungen zu dem Gebäude. 2023 und 2024 wurde er erneut darauf hingewiesen, dass die Mittel für den Bauunterhalt künftig nicht reichen. Dem Haus stehen jährlich 720.700 Euro für den gesamten Bauunterhalt zur Verfügung. Angemeldet hatte die Münchenstift für 2026 und 2027 einen Bedarf von 3.549.390 Euro. Er fand im Eckdatenbeschluss 2027 wegen der angespannten Haushaltslage keine Berücksichtigung. Nun kostet allein die Heizung 617.000 Euro, das sind 86 Prozent des Jahresbudgets (617.000 : 720.700).
Auffällig ist die Kostenliste: 300.000 Euro entfallen auf Anbindung und Visualisierung der Gebäudeleittechnik, fast die Hälfte der Summe (300.000 : 617.000 = 49 Prozent). Eine Warmwasserleitung im Altbau kostet dagegen 12.000 Euro. Eine Förderung hält die Verwaltung für nicht möglich, Gespräche mit einem Fachplaner laufen aber noch. Eine Generalsanierung des Hauses steht weiter aus.
Kritik
Wer seit 2018 weiß, dass ein Haus von 1940 mit nur einer Teilsanierung ein marodes Heizungsnetz hat, kann den Ausfall nicht als unplanbar verbuchen. Die Stadt ließ den Bedarf über Jahre wachsen und zahlt nun im Notverfahren, ohne dass Alternativen oder ein Zeitplan erkennbar wären. Dass fast die Hälfte der Summe in Leittechnik fließt, wirkt eher wie ein Ausbau als wie eine Notreparatur. Statt Flickwerk vor einer ohnehin anstehenden Generalsanierung hätte die Stadt früh klären müssen, was dauerhaft weiterverwendet werden kann und was nicht.
Sitzungsvorlage 26-32 / V 00987: MÜNCHENSTIFT GmbH Finanzierungsbedarf nach Heizungsausfall für die Instandsetzung der Heizungsa..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 12. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.