Staatsbilanz

Stadt/München/Imagepflege

68.000 Euro für eine Taekwondo-EM

München zahlt 68.000 Euro für ein Taekwondo-Turnier aus dem Topf für Großereignisse, obwohl es nach eigener Aussage keines ist

Was ist passiert?

Im BMW Park im Münchner Norden sollen vom 11. bis 14. Mai 2026 die Taekwondo-Europameisterschaft und die Para-Taekwondo-Europameisterschaft stattfinden. Erwartet werden rund 450 Athleten aus über 50 Nationen. Eigentlich war das Turnier für Nürnberg geplant, doch der Termin wurde im Dezember 2025 verschoben, und die dortige Halle war dann nicht mehr frei. Die Deutsche Taekwondo Union suchte einen Ersatz und stellte ihren Förderantrag in München erst im Januar 2026.

Die Stadt bewilligte der Union bis zu 68.000 Euro. Die Gesamtkosten der Veranstaltung liegen bei 761.000 Euro, die Stadt trägt damit knapp 9 Prozent (68.000 : 761.000). Auf jede der 16 Entscheidungen umgelegt sind das 4.250 Euro (68.000 : 16). Mit bis zu 170.000 Euro vom Bund und 68.000 Euro vom Freistaat summieren sich die Zuschüsse auf die 306.000 Euro des Finanzplans. Die Stadt füllt damit den letzten Teil der Lücke.

Bemerkenswert ist die Herkunft des Geldes. Die Verwaltung hält selbst fest, dass die Veranstaltung nicht der Definition eines Sportgroßereignisses entspricht, weder im Vergleich zu einer EURO noch zu mittleren Wettkämpfen wie einer Junioren-EM im Schwimmen. Die städtische Leitlinie für Sportgroßereignisse wird deshalb ausdrücklich nicht angewandt. Bezahlt wird das Turnier trotzdem aus dem Budget für Sportgroßereignisse, dessen Zweckbindung dafür geändert wurde.

Als Nutzen nennt die Verwaltung Stadtmarketing, Impulse für Breiten- und Spitzensport und eine zusätzliche Referenz für eine mögliche Olympiabewerbung. Beim Marketing räumt sie allerdings ein, dass sich die Wahrnehmung Münchens nur „in geringerem Maße“ erhöht.

Die Stadtkämmerei erhob keine grundsätzlichen Einwände. Sie mahnte jedoch mit Blick auf die Haushaltskonsolidierung, das Budget nicht durch neue freiwillige Aufgaben zusätzlich zu belasten. Außerdem wies sie darauf hin, dass bis zur Haushaltssatzung 2026 nur Leistungen erlaubt sind, zu denen die Stadt verpflichtet oder die unaufschiebbar sind. Der Stadtrat beschloss am 4. März 2026 nach Antrag.

Kritik

Wer ein Turnier selbst nicht als Sportgroßereignis einstuft, sollte es auch nicht aus dem Topf für Sportgroßereignisse bezahlen und dafür die Zweckbindung umschreiben. Ein Imagegewinn, den die Verwaltung selbst als gering beschreibt, rechtfertigt den Zuschuss in einer Phase der Haushaltskonsolidierung kaum. Die Olympiabewerbung als Referenzpunkt ist eine vage Hoffnung und keine Gegenleistung, die man den Steuerzahlern in Rechnung stellen dürfte. Eine Förderung wie bei anderen Veranstaltungen unterhalb der Großereignisschwelle, mit klarer Budgetzuordnung und ohne Umwidmung, wäre ehrlicher gewesen.

Sitzungsvorlage 20-26 / V 19033: Taekwondo-Europameisterschaft und Para-Taekwondo-Europameisterschaft im Jahr 2026 in München Bet..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 5. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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