Staatsbilanz

Stadt/München/Finanzrisiko

900.000 Euro für ein leeres Münchner Haus

München soll 900.000 Euro plus Zinsen zurückzahlen, wenn die eigene Firma den 22,6-Millionen-Umbau der Viehhofbank nicht bekommt

Was ist passiert?

München (BY). Neben dem neuen Volkstheater, auf dem Areal des früheren Schlacht- und Viehhofs, steht die Viehhofbank: ein denkmalgeschütztes Gebäude von 1914 mit rund 3.900 m² Bruttogeschossfläche. Die Stadt will es wieder für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft öffnen.

Doch seit etwa 20 Jahren steht der Bau überwiegend leer. Dach, Decken und Haustechnik sind marode, die Decken tragen nur noch ihr Eigengewicht, und im Gebäude wurden Asbest und PCB gefunden. Vermietet ist lediglich eine Teilfläche im Erdgeschoss an ein Architekturbüro, für 7,50 Euro je Quadratmeter, rund 26.000 Euro im Jahr. Allein die Schutzkonstruktionen gegen herabfallende Dachteile kosten etwa 65.000 Euro jährlich, also das Zweieinhalbfache der Mieteinnahmen (65.000 : 26.000).

Nun soll das Kommunalreferat eine Voruntersuchung für rund 900.000 Euro beauftragen. Weil der städtische Haushalt das nicht hergibt, soll die stadteigene Münchner Raumentwicklungsgesellschaft (MRG) das Geld über ein Bankdarlehen vorstrecken. Der Haken: Erteilt der Stadtrat den Projektauftrag für die Generalsanierung, über den er voraussichtlich 2028 entscheiden soll, nicht an die MRG, muss die Stadt die 900.000 Euro samt Zinsen erstatten. Woher das Geld dann kommen soll, will man „zu gegebener Zeit“ klären.

Die Verwaltung hält das Projekt für alternativlos, der Verfall koste schon jetzt enorm. Die Sanierung soll rund 22,63 Mio. Euro kosten. Rechnen soll sie sich über einen Mietansatz von 25 Euro je Quadratmeter, mehr als das Dreifache der heutigen Miete. Selbst damit dauert die Amortisation laut Vorlage 34 Jahre, und dabei sind Zinsen noch gar nicht eingerechnet.

Die Stadtkämmerei hält die Vorlage für nicht entscheidungsreif und bemängelt, dass die Marktüblichkeit der 25 Euro nirgends dargelegt wird. Das Kommunalreferat widerspricht. Der Kommunalausschuss sollte am 17.09.2026 entscheiden, wie er votierte, ist unbekannt.

Kritik

Eine Untersuchung, die ohnehin nötig ist, wird hier an eine Rückzahlungspflicht gekoppelt, die greift, sobald der spätere Auftrag nicht an die eigene Tochter geht. Damit steht der Stadtrat schon vor der Untersuchung unter Druck, der MRG den Zuschlag zu geben, und kann kaum noch frei entscheiden. Bei einem Haushalt, der 900.000 Euro nicht hergibt, ist eine ungedeckte Rückzahlungsverpflichtung samt Zinsen ein unnötiges Risiko. Die Voruntersuchung sollte ohne Rückzahlungsklausel beauftragt werden, und die Mietannahme von 25 Euro je Quadratmeter muss belegt sein, bevor über Millionen für die Sanierung gesprochen wird.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 00782: Weiteres Vorgehen Viehhofbank 2. Stadtbezirk Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, Ratsinformationssystem der Stadt München, 3. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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