Staatsbilanz

Stadt/München/Folgekosten

910.320 Euro für Mahnmal mit Leuchthalmen

München zahlt 910.320 Euro für ein NS-Denkmal mit Lichtern und Touchscreens im Freien, doch die Kosten für Wartung und Reinigung kennt niemand

Was ist passiert?

Auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus soll ein Namensdenkmal für alle Todesopfer des NS-Regimes in München entstehen, das zugleich im Internet funktioniert. Ein erster Wettbewerb war 2018 nicht zur Realisierung beschlossen worden, danach begann die Neukonzeption. Nun hat die Stadt den Entwurf „Das Feld“ von Ars Electronica Futurelab gewählt, und der Stadtrat hat den Beschluss nach Antrag gefasst.

Das Denkmal soll aus einem Feld von Lärchenbrettern bestehen. Darauf stehen viele Halme aus Glasfaserverbundstoff, deren Spitzen mit LEDs versehen sind. An zwei Seiten sind Portale mit Touchscreens vorgesehen, die den Puls der Besucher erfassen und als Lichtimpuls auf die Halme übertragen. Wird auf der Projekt-Website recherchiert, sollen am Platz ebenfalls Halme aufleuchten. Das Realisierungsbudget beträgt 800.000 Euro brutto. Hinzu kommt eine befristete halbe Personalstelle über zwei Jahre für 110.320 Euro (13.790 + 55.160 + 41.370 Euro). Macht zusammen 910.320 Euro, noch bevor ein einziger Halm leuchtet.

Dabei fehlt die Zahl, die bei so viel Technik im Freien am meisten interessiert: der Unterhalt. Die Jury hielt fest, dass der Entwurf große Herausforderungen bei Unterhalt, Wartung und Reinigung mit sich bringt. Das Baureferat wies nach Angaben der Vorlage „deutlich“ darauf hin. Das Kulturreferat räumt selbst ein, dass der Unterhalt die reguläre prozentuale Berechnung nach dem Grundsatzbeschluss von 2009 übersteigen dürfte. Beziffern kann es ihn nicht. Der Stadtrat soll später erneut befasst werden, „sobald die Projektentwicklung dies zulässt“. Das Kulturreferat hält die offenen Fragen für lösbar, das Studio habe seine Mitarbeit signalisiert. Zudem steht das Projekt unter einem genehmigungsrechtlichen Vorbehalt und muss noch überarbeitet werden. Die Jury preist es als „erstes Denkmal dieser Art weltweit“. Das heißt aber auch: Erfahrungswerte, wie lange Technik und Holz im öffentlichen Raum halten, gibt es nicht.

Kritik

Die Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes ist unbestritten wichtig, doch dafür muss kein Denkmal gewählt werden, dessen Folgekosten bei der Entscheidung unbekannt sind. Wer sich für LED-Halme, Touchscreens und Pulserfassung im Freien entscheidet, muss Wartung und Reinigung vor dem Beschluss klären und nicht erst danach. Dass das Baureferat warnt und die Stadt selbst höhere Kosten als üblich erwartet, wiegt hier schwer. Vor dem Zuschlag hätte eine belastbare Unterhaltsrechnung vorliegen müssen, und sie hätte in die Wahl des Entwurfs einfließen müssen.

Sitzungsvorlage 20-26 / V 18682: Digitales, partizipatives Namensdenkmal für alle Todesopfer des NS-Regimes in München, Ratsinformationssystem der Stadt München, 9. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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