Bachlauf auf der Rasenfläche
München gibt 1,6 Mio. Euro für 4.000 Quadratmeter Grün aus, die jährlich 94.100 Euro Unterhalt kosten.
Was ist passiert?
Im Westen der Stadt liegt am Ravensburger Ring eine rund 4.000 Quadratmeter große Rasenfläche, eingeklemmt zwischen mehrstöckigen Wohnhäusern und der Bahnlinie Richtung Geltendorf. Bisher gibt es dort weder Wege noch Spielgeräte, nur Sträucher am Bahndamm und einen Steinbildstock. Weil im Umfeld kaum öffentliche Grünflächen existieren, soll die Fläche zur Anlage für alle Altersgruppen werden.
Die Stadt München will dafür 1,6 Mio. Euro ausgeben, der Bauausschuss hat das am 14. April 2026 beschlossen. Vorgesehen sind ein gepflasterter künstlicher Bachlauf mit mehreren Pumpen und Staumöglichkeiten, eine Wasserspielanlage, ein Trinkbrunnen, eine Kletteranlage mit einem etwa fünf Meter hohen Turm samt Röhrenrutsche sowie Fitnessgerät, Tischtennisplatte und 31 neue Bäume. Je Quadratmeter Rasen sind das 400 Euro (1.600.000 Euro geteilt durch 4.000 m²). Den Trinkbrunnen ergänzte die Verwaltung erst nachträglich, mit Blick auf die erwarteten hohen Besucherzahlen. Gebaut werden soll ab Sommer 2026, fertig sein soll alles im Sommer 2027.
Die Regierung von Oberbayern erkannte 1,4 Mio. Euro als förderfähig an. Davon sollen 60 Prozent, also voraussichtlich 840.000 Euro, als Zuschuss zurückfließen. Bewilligt ist bisher nur eine erste Rate von 720.000 Euro. Bei der Stadt bleiben mindestens 760.000 Euro (1.600.000 minus 840.000 Euro).
Die Stadtkämmerei verweigerte ihre Zustimmung. Es handle sich um eine rein freiwillige Aufgabe, und weil die Folgekosten von 94.100 Euro im Jahr einen dauerhaften Bedarf bedeuten, schränke das Vorhaben die Handlungsfähigkeit der Stadt weiter ein. Allein das Wasserspiel schlägt mit 15.000 Euro, der Trinkbrunnen mit 10.000 Euro jährlich zu Buche. Das Baureferat hielt dagegen: Im Umfeld herrsche eine erhebliche Unterversorgung mit Spielflächen, die Anwohner hätten sich Wasserspiel und Klettern gewünscht, und bei einem Abbruch der Ausschreibung drohten Schadensersatzforderungen. Der Ausschuss beschloss das Projekt wie beantragt.
Die Rechnung ist schnell gemacht: Nach neun Jahren Unterhalt (9 mal 94.100 Euro, gleich 846.900 Euro) haben die Folgekosten den gesamten erhofften Zuschuss von 840.000 Euro aufgebraucht.
Kritik
Eine Grünfläche aufzuwerten ist nachvollziehbar, aber 400 Euro je Quadratmeter für Bachlauf mit Pumpen, Wasserspiel und Trinkbrunnen sind für eine Nachbarschaftsanlage ein Luxusprogramm. Gerade die Wasseranlagen verursachen laufende Kosten, die der Zuschuss nach rund neun Jahren aufgezehrt hat, während die Stadt dauerhaft zahlt. Wenn die eigene Kämmerei bei einer freiwilligen Aufgabe vor der Haushaltslage warnt, darf man das Vorhaben nicht einfach durchwinken. Eine schlichtere Ausstattung mit Wegen, Bäumen, Klettergerät und Sitzplätzen hätte den Bedarf gedeckt, ohne künftige Haushalte zu belasten.
Sitzungsvorlage 20-26 / V 19432: Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ Sanierungsgebiet Aubing - Neuau..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 7. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.