Staatsbilanz

Stadt/München/Kostensteigerung

München: 16,2 Mio. Euro für späte Software

Münchens neues Buchhaltungsprogramm der Stadt startet wegen Fehlern ein Jahr später und kostet dadurch 16,2 Mio. Euro mehr als geplant

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt wickelt Haushaltswirtschaft, Kasse, Logistik und Immobilienverwaltung über SAP-Systeme ab, die vor rund 20 Jahren eingeführt wurden. Weil der Hersteller die Kernwartung absehbar beendet, soll das Programm neoFin die Prozesse auf die Plattform SAP S/4HANA umstellen. Start sollte ursprünglich im Januar 2026 sein.

Daraus wurde nichts. Im Dezember 2025 verschob die Steuerungsgruppe den Go-live um ein Jahr auf Januar 2027. Als Gründe nennt die Verwaltung blockierende Fehler im Kernsystem und an den Schnittstellen zu den über 30 Fachverfahren, zu viele offene Restfehler und Tests, die nicht rechtzeitig fertig wurden. Dabei hatte man 2025 bereits über 340 Schulungstermine mit mehr als 4.500 Teilnehmenden abgehalten und über 11.000 Testfälle angestoßen. Ein sicherer Betrieb habe Vorrang vor dem Termin, heißt es.

Für die Steuerzahler zählt, was das Jahr Aufschub kostet. Die Mehrkosten von 9,4 Mio. Euro im Jahr 2026 waren in der ursprünglichen Planung nicht vorgesehen. Sie entstehen vor allem durch länger gebuchte externe Berater, zusätzliche Migrations- und Testzyklen und den Parallelbetrieb von Systemkomponenten. Weil der neue Termin sonst auf veralteter Software aufgesetzt hätte, musste zudem ein Release-Upgrade her, nach dem die Daten erneut migriert werden müssen. Umgerechnet sind das rund 25.800 Euro für jeden Kalendertag (9,4 Mio. Euro geteilt durch 365).

Dazu kommt die dreimonatige Stabilisierungsphase nach dem Start, geschätzt 6,8 Mio. Euro. Das sind rund 2,3 Mio. Euro im Monat (6,8 Mio. Euro geteilt durch drei). Zusammen ergibt das 16,2 Mio. Euro, und die Zahl steigt, falls länger als drei Monate nachgebessert werden muss.

Bezahlt wird laut Verwaltung aus Eigenmitteln des städtischen Eigenbetriebs it@M, genauer aus einer Rücklage, die aus Einsparungen entstanden ist. Der Kernhaushalt bleibe unberührt, und die Wirtschaftlichkeit des Programms sei weiterhin „uneingeschränkt“ gegeben. Die Entscheidung über den Go-live soll am 30.10.2026 fallen.

Kritik

Wer 2025 mit über 11.000 Testfällen, aber ungelösten blockierenden Fehlern auf den Starttermin zusteuerte, hat Risiken zu spät ernst genommen. Dass die Mehrkosten aus einer Rücklage statt aus dem Kernhaushalt kommen, macht sie nicht billiger, denn auch dieses Geld hätte anderweitig eingesetzt werden können. Die Behauptung, die Wirtschaftlichkeit bleibe „uneingeschränkt“ gegeben, überzeugt nicht, wenn ein Jahr Verzug schon 16,2 Mio. Euro kostet und die Rechnung offen nach oben bleibt. Künftig braucht es realistische Termine, die sich an der Fehlerlage orientieren, und eine feste Kostengrenze auch für die Zeit nach dem Start.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 00657: Programm neoFin SAP® Lösungen Jährlicher Sachstandsbericht, Ratsinformationssystem der Stadt München, 1. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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