Staatsbilanz

Stadt/München/Fehlplanung

München: Fertige Bauten als Baustelle geführt

München führt fertige Schulen und Straßen für 3,74 Milliarden Euro noch als Baustelle, dadurch fehlen im Haushalt mindestens 143 Millionen Euro

Was ist passiert?

Die Landeshauptstadt München investiert seit Jahren in Schulen, Straßen, Kitas und vieles mehr. Wie jede Kommune muss sie fertige Bauten buchhalterisch in die richtige Anlagenklasse überführen. Erst dann beginnen die Abschreibungen, also der jährliche Wertverlust, den der städtische Haushalt tragen muss. Bis dahin laufen solche Vorhaben als „Anlagen im Bau“.

Genau daran hapert es. Das Revisionsamt der Stadt prüfte den Jahresabschluss 2024 und stellte fest: Von insgesamt 5,81 Mrd. Euro, die als „Anlagen im Bau“ verbucht sind, gehören 3,74 Mrd. Euro zu Anlagen, die längst nutzbar sind. Das sind rund 64 Prozent der gesamten Position. Der Rückstau wuchs binnen eines Jahres um etwa 667 Mio. Euro (3,74 Mrd. minus 3,07 Mrd. im Vorjahr).

Die Folgen sind greifbar. Nach grober Schätzung des Revisionsamts fehlen allein für Posten ab einer Million Euro Abschreibungen von mindestens 143,3 Mio. Euro. Dazu kommen 16,2 Mio. Euro an Fördermitteln, die als Ertrag hätten aufgelöst werden müssen. Der Jahresabschluss zeichnet damit kein sauberes Bild der städtischen Finanzen.

Die Stadtkämmerei nennt als Hauptursache fehlendes Personal in der zentralen Anlagenbuchhaltung, die seit 2022 gebündelt ist. 2024 rechnete sie Anlagen im Wert von rund 762 Mio. Euro ab, 2025 waren es erstmals mehr als eine Milliarde. Bei dem Tempo von 2024 bräuchte die Stadt für den Berg von 3,74 Mrd. Euro rechnerisch knapp fünf Jahre (3.739 geteilt durch 762), und zwar ohne einen einzigen neuen Zugang. Die Kämmerei selbst erwartet, dass der Stau mittelfristig weiter wächst, weil die Stadt unverändert viel investiert. Allein 2024 und 2025 kamen rund 1,6 Mrd. Euro neu hinzu.

Kritik

Wer Milliarden für Bauten ausgibt, muss auch das Personal bereitstellen, um sie ordentlich zu verbuchen. Die Stadt hat die Anlagenbuchhaltung 2022 zentralisiert, ihr aber offenbar nicht genug Kräfte gegeben, sodass der Rückstand weiter wächst. Ohne korrekte Abschreibungen sieht die Finanzlage der Stadt besser aus, als sie ist, und Räte wie Bürger entscheiden auf falscher Zahlenbasis. Die Stadt sollte die Abrechnung nicht nur „intern priorisieren“, sondern gezielt Personal aufstocken, bevor sich der Berg weiter auftürmt.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 00725: Bericht über die Prüfung der zum 31.12.2024 erstellten Jahresabschlüsse der Landeshauptstadt Münc..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 15. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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