München sagt Fußballfinale ohne Mitsprache zu
München holt 2028 das Champions-League-Finale, obwohl die Stadt den UEFA-Vertrag bei Fairness mit null Punkten bewertet
Was ist passiert?
Neben dem Super Bowl gilt das Finale der Champions League als größtes Sporteinzelereignis der Welt. München richtete es 2012 und 2025 aus. Für den 27. Mai 2028 ist es erneut geplant: ein Spiel in der Allianz Arena, vier Tage Festival und zwei Fan Meeting Points in der Innenstadt.
Die Vorgeschichte ist bemerkenswert. Bei der UEFA ging für 2028 keine einzige Bewerbung einer Gastgeberstadt ein. Die UEFA wandte sich deshalb an den DFB, dessen Präsident am 2. Dezember 2025 beim damaligen Oberbürgermeister vorfühlte. Man wolle die bestehenden Prozesse „ressourcensparend“ noch einmal nutzen. München ist also keine Bewerberin unter vielen, sondern wurde gefragt.
Am 19. August 2026 ermächtigte der Feriensenat des Stadtrats die Verwaltung gegen die Stimmen von Die Linke und Volt, gegenüber UEFA und DFB rechtsverbindliche Erklärungen abzugeben und Verträge zu schließen. Was das kosten soll und was zurückfließt, steht nur in einer nichtöffentlichen Vorlage. Öffentlich genannt wird die Bilanz von 2025: Statt der veranschlagten 8,6 Mio. Euro kostete das Finale rund 4,83 Mio. Euro, also 3,77 Mio. Euro weniger. Dazu kommt ein geschätzter touristischer Umsatz von 46 Mio. Euro bei mehr als 90 Prozent Hotelauslastung.
Die Verwaltung prüfte das Vorhaben auch selbst anhand der städtischen Leitlinie für Sportgroßereignisse und kam auf 484 von 575 Punkten. Beim Kriterium Vertragsgestaltung, das städtische Mitbestimmung und faire finanzielle Bedingungen sichern soll, gab es null Punkte. Die UEFA diktiere weitgehend die Rahmenbedingungen, Mitsprache bei Marketingrechten oder Ticketkontingenten sei kaum möglich. Das Referat für Bildung und Sport befürwortete die Bewerbung dennoch „ausdrücklich“.
Es eilte: Die UEFA soll am 15. September 2026 vergeben, der nächste Sportausschuss tagt erst einen Tag später. Das Mobilitätsreferat erhielt die Vorlage am 10. August mit zwei Tagen Frist. Es sieht zusätzlichen Personalbedarf für die verkehrlichen Anordnungen, kann ihn wegen der Haushaltslage aber nicht anmelden.
Kritik
Die Stadt unterschreibt Verträge, deren Bedingungen sie nach eigener Bewertung kaum mitgestalten kann, und das, obwohl sich keine andere Stadt beworben hatte und die UEFA auf einen Gastgeber angewiesen war. Diese Lage hätte man nutzen müssen, um Mitsprache und eine Begrenzung des finanziellen Risikos auszuhandeln. Der Hotelumsatz von 46 Mio. Euro landet bei Privaten, nicht in der Stadtkasse, und taugt daher nicht als Rechtfertigung für städtische Ausgaben. Wer zusätzlich Verkehrsplanung ohne zusätzliches Personal und mit zwei Tagen Prüffrist ankündigt, riskiert teure Improvisation im Mai 2028.
Sitzungsvorlage 26-32 / V 01359: Bewerbung für das UEFA Champions League Finale 2028, Ratsinformationssystem der Stadt München, 17. August 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.