München zahlt 440.000 Euro für Triathlon
Die Stadt München gleicht für zwei Triathlon-Rennen im Olympiapark Verluste von 440.000 Euro aus, der Veranstalter zahlt nur 44.000 Euro
Was ist passiert?
Im Olympiapark fanden 2022 die Triathlon-Wettbewerbe der European Championships statt, seither nicht mehr. Nun will die Deutsche Triathlon Union (DTU) dort im Juli 2027 und im Juli 2028 je ein Rennen des World Triathlon Cup austragen: mit rund 200 Profis und bis zu 4.500 Hobbysportlern beim Jedermann-Rennen. Die Stadt soll das Defizit übernehmen.
Die DTU kalkuliert für jedes Jahr mit Ausgaben von 833.000 Euro. Gedeckt werden sie durch 258.000 Euro Startgelder, 333.000 Euro Sponsoren und Sonstiges, 22.000 Euro Eigenmittel der DTU und einen städtischen Zuschuss von bis zu 220.000 Euro. Die Stadt trägt damit gut ein Viertel der Kosten (220.000 geteilt durch 833.000, rund 26 Prozent) und zahlt das Zehnfache dessen, was der Veranstalter selbst beisteuert. Über beide Jahre sind es 440.000 Euro der Stadt gegen 44.000 Euro der DTU. Das Geld soll aus dem Referatsbudget für Sportgroßereignisse kommen.
Die Verwaltung verweist auf Stadtimage, Tourismus und Organisationserfahrung für eine mögliche Olympiabewerbung. Der Veranstalter rechnet mit einem touristischen Mehrumsatz von 1,9 Mio. Euro im Jahr, 3,8 Mio. Euro in zwei Jahren. Es ist allerdings eine Schätzung des Veranstalters, und der Umsatz landet bei Hotels, Gastronomie und Handel, nicht in der Stadtkasse. Die Förderung nennt die Vorlage eine Anschubfinanzierung. Zugleich weist sie für 2029 und 2030 weiterhin einen auszugleichenden Betrag von 440.000 Euro aus.
Das Referat für Arbeit und Wirtschaft hielt die Zahlen für unvollständig: In der Kostendarstellung fehle für 2028 die Preissteigerung, und es könne nicht davon ausgegangen werden, dass die Kosten in beiden Jahren gleich hoch ausfallen. Tatsächlich sind die Kalkulationen für 2027 und 2028 bis auf die Ziffer identisch. Die Vorlage selbst nennt sie „abschließend“. Den Beschlussentwurf konnte das Referat wegen der kurzen Frist nur kursorisch prüfen, die Stellungnahme der Stadtkämmerei lag bei Drucklegung nicht vor. Dringlich war es, weil die Bewerbungsunterlagen bis Mitte August 2026 beim Weltverband sein mussten. Der Stadtrat beschloss die Förderung am 29. Juli 2026 gegen die Stimmen von Linke, Volt, AfD, ÖDP und Bündnis Kultur.
Kritik
Die Stadt übernimmt den Verlust eines Veranstalters, der selbst nur ein Zehntel des städtischen Beitrags einbringt. Ein Defizitausgleich nimmt dem Veranstalter den Anreiz, Kosten zu drücken und mehr Einnahmen zu erzielen. Der behauptete Nutzen beruht auf der Schätzung des Veranstalters, und aus einer „Anschubfinanzierung“ droht eine Dauerförderung. Sinnvoll wäre ein fester Zuschuss gewesen, an dem der Veranstalter das Kostenrisiko selbst trägt, und eine Kalkulation, die 2028 realistisch abbildet.
Sitzungsvorlage 26-32 / V 01111: Förderung des Word Triathlon Cup 2027 und 2028, Ratsinformationssystem der Stadt München, 27. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.