Olympiaturm kostet München 5,27 Millionen mehr
München zahlt für den Olympiaturm 5,27 Millionen Euro extra, weil Rost, Asbest und Baumängel erst beim Abriss von Fassade und Wänden auffielen
Was ist passiert?
Der Olympiaturm mit seinem Drehrestaurant wird von der Olympiapark München GmbH (OMG) betrieben und soll als Besucherattraktion Geld einbringen: Im Jahr 2023, dem letzten vollen Betriebsjahr, steuerte er 2,3 Mio. Euro zum Jahresergebnis der OMG von 5,1 Mio. Euro bei. Seit Längerem wird der Turm saniert.
Im Dezember 2024 stimmte der Stadtrat der Sanierung mit 60,99 Mio. Euro netto zu, fertig sein sollte alles Mitte 2026. Dann legte die Stadtwerke München Services GmbH (SWMS) beim Rückbau neue Korrosion an der Fassadenbefestigung frei, die bis dahin niemand einsehen konnte. Und das war nicht alles: Der Bestand wich in sehr vielen Punkten von den Plänen ab. Die mittlere Ringwand musste abgebrochen werden, weil sie ein „Gemisch“ aus Baumaterialien verschiedener Generationen war. Die Attika war ohne Ringanker gebaut, die Küchendecke trug nicht genug, und überall steckte Asbest.
Nun zahlt die Stadt zusätzlich 5,27 Mio. Euro brutto für die Fassadenerneuerung und die Objektbetreuung danach. 4,54 Mio. Euro fließen als Investitionszuschuss an die SWMS, 0,73 Mio. Euro sind Betriebsaufwand. Das Geld kommt ausdrücklich nicht aus dem Budget der OMG, sondern aus dem Haushalt der Stadt. Fertig wird der Turm nun am 3. Oktober 2027, gut 15 Monate nach dem ursprünglichen Termin.
Die Verwaltung begründet die Erneuerung damit, dass sie 50 Jahre hält, eine bloße Sicherung dagegen nur 25. Zudem beziffert die SWMS die kurzfristigen Mehrkosten der Sicherung auf 2,8 Mio. Euro. Auf die Nutzungsdauer gerechnet kostet die Erneuerung rund 105.000 Euro im Jahr (5,27 Mio. Euro geteilt durch 50 Jahre). Allerdings stammt die Vergleichsrechnung von demselben Unternehmen, das den Umbau plant und ausführt. Die Vorlage erreichte die Ausschussmitglieder nicht rechtzeitig. Der Ausschuss beriet am 28. April 2026, der Stadtrat stimmte einen Tag später zu.
Kritik
Wer einen Turm für über 60 Mio. Euro saniert, muss vorher wissen, woran er baut. Dass Fassadenbefestigung, Wände und Decken erst beim Abbruch ihre Mängel zeigen, deutet auf eine unzureichende Bestandsuntersuchung hin, und die Rechnung bekommt der Steuerzahler. Die Sicherung gegen die Erneuerung wurde allein mit Zahlen der ausführenden SWMS verglichen. Vor einer solchen Entscheidung hätte eine unabhängige Prüfung der Varianten gehört, und zwar mit genügend Vorlauf vor der Abstimmung.
Sitzungsvorlage 20-26 / V 17978: Olympiapark München GmbH Turmsanierung: Fassadenerneuerung Kosten und Finanzierung, Ratsinformationssystem der Stadt München, 22. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.