Staatsbilanz

Stadt/München/Finanzrisiko

Tram im Münchner Norden: Bau ohne Geldzusage

München startet im Norden eine Tram für 411,9 Mio. Euro, obwohl Bund und Land noch kein Geld zugesagt haben und kein Anspruch darauf besteht

Was ist passiert?

Im Norden Münchens entsteht auf dem Gelände der Bayernkaserne das neue Stadtquartier Neufreimann. Es soll mit der Tram Münchner Norden angebunden werden, deren erster Abschnitt von Schwabing Nord bis Kieferngarten reicht. Dazu kommt eine neue Zulaufstrecke zum Tram-Betriebshof an der Ständlerstraße. Beide Vorhaben sollen mit Geld von Bund und Land gefördert werden.

Eigentlich hatte sich die Stadt eine Sicherung eingebaut. Im Finanzbeziehungsvertrag mit den Stadtwerken steht seit Dezember 2025, dass bei geförderten Projekten nur bis zur Genehmigungsplanung gearbeitet wird, solange keine verbindliche Förderzusage vorliegt. Nur der Bau der Brücke über den DB-Nordring war davon ausgenommen. Am 30. September 2026 setzte der Stadtrat diese Regel für beide Vorhaben außer Kraft, gegen die Stimmen von ÖDP/BK/ML, AfD und einer Stimme von FDP/FW.

Eine Zusage gibt es bislang nicht. Die Förderbescheide werden für das zweite Quartal 2027 (Zulaufstrecke) und das dritte Quartal 2027 (Tram) erwartet. Einen Rechtsanspruch auf Förderung hat die Stadt bei keinem der beiden Projekte. Vorhanden ist lediglich eine Bescheinigung, dass ein früher Baubeginn die Förderung nicht gefährdet. Das ist eine Unbedenklichkeitserklärung, aber keine Zusage.

Die Verwaltung nennt Gründe. Bei der Tram lasse sich die Eröffnung auf das vierte Quartal 2031 statt 2032 vorziehen und etwa 3 Mio. Euro sparen. Bei der Zulaufstrecke ist die bestehende Gleisverbindung sanierungsbedürftig, und es drohen Schienenbrüche. Zudem soll der Bau mit einer Gleissanierung in der Schwanseestraße zusammenfallen. Wer auf den Bescheid wartet, beginnt erst Anfang 2028 statt 2027.

Dabei sind die Kosten schon gestiegen. Die Zulaufstrecke wurde seit Juli 2025 von 26,5 auf 39,6 Mio. Euro teurer, das sind 13,1 Mio. Euro oder knapp die Hälfte mehr. Die Tram steht bei 411,9 Mio. Euro statt zuvor 360 Mio. Euro, ein Plus von 51,9 Mio. Euro. Bezahlt werden soll kostenneutral durch Umschichtungen im Mehrjahresinvestitionsprogramm. Die Betriebskostendefizite der neuen Linie übernimmt die Stadt, über die Summen wird erst später entschieden.

Kritik

Die Stadt beginnt zwei Großprojekte ohne Förderzusage und ohne Rechtsanspruch auf das Geld und trägt damit selbst das Risiko, falls der Bescheid ausbleibt oder niedriger ausfällt. Gerade bei der Zulaufstrecke, die binnen eines Jahres um fast die Hälfte teurer wurde, wäre es vernünftig gewesen, die Zusage abzuwarten. Dass die Mehrkosten über Umschichtungen im Investitionsprogramm gedeckt werden sollen, verlagert die Rechnung auf andere Projekte. Eine Regel, die der Stadtrat sich gerade erst selbst gegeben hat, wurde bei der ersten Gelegenheit wieder aufgeweicht.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 01399: ÖPNV-Bauprogramm Tram Münchner Norden Planfeststellungsabschnitt 1 (PFA 1) und Betriebshofzulau..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 16. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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