U-Bahnhof Poccistraße: Sparen nur auf dem Papier
München verlangt von den Verkehrsbetrieben 9,275 Mio. Euro Einsparung, zahlt aber für den U-Bahnhof Poccistraße genau so viel dazu
Was ist passiert?
Der U-Bahnhof Poccistraße im Stadtbezirk Ludwigvorstadt-Isarvorstadt ist ein Bestandsbauwerk im Schienenverkehr, Eigentümerin ist die SWM/MVG. Seit Untersuchungen 2015/2016 erhebliche Mängel an den Deckengewölben zeigten, wird er saniert. Alle 31 Deckengewölbe erhalten Stahlunterstützungen, hinzu kommen Brandschutz mit einem neun Meter hohen Abluftturm und eine Schadstoffsanierung.
Im Mehrjahresinvestitionsprogramm der Stadt standen dafür 14,235 Mio. Euro. Nun sollen es 23,51 Mio. Euro sein. Das sind 9,275 Mio. Euro oder rund 65 Prozent mehr (9,275 geteilt durch 14,235). Den Mehrbedarf soll die Stadt vollständig aus Stellplatzablösemitteln bezahlen, also aus Geld, das Bauherren statt des Baus von Stellplätzen entrichtet haben.
Die offizielle Begründung liegt weniger in der Baustelle als im Haushalt. Der Stadtrat hatte der SWM/MVG für 2026 einen Konsolidierungsbeitrag von 9,275 Mio. Euro abverlangt. Damit deshalb das Fahrplanangebot nicht schrumpft, überweist die Stadt nun als zweckgebundenen Zuschuss genau denselben Betrag, mit dem die SWM/MVG dann Leistungen im selben Umfang weiterführen können. Sparbeitrag und Zuschuss heben sich auf den Euro auf.
Die Stadtkämmerei stimmte der Vorlage nicht zu. Sie verwies darauf, dass die Sanierung eines Bestandsbauwerks im Schienenverkehr von der SWM/MVG zu tragen wäre. Schon im Juli 2025 hatte die Stadt über die im Finanzbeziehungsvertrag angelegte Kostenteilung hinaus Verantwortung für den Bahnhof übernommen. Für eine Klimaschutzprüfung blieb laut Vorlage keine Zeit, obwohl sie die Klimaschutzrelevanz bejaht. Der Stadtrat beschloss die Aufstockung am 25. März 2026 gegen die Stimmen von FDP, Bayernpartei und AfD.
Kritik
Wer seinen Beteiligungsunternehmen einen Sparbeitrag auferlegt und ihn im selben Jahr in gleicher Höhe aus der Stadtkasse ausgleicht, spart nichts, sondern verschiebt nur Geld. Der Konsolidierungsbeitrag wird so zur Fassade, und die Stadt trägt Kosten für ein Bauwerk, das nach Auffassung der eigenen Kämmerei der SWM/MVG gehört. Dass eine Klimaschutzprüfung wegen der knappen Zeitschiene entfiel, passt zu einem Beschluss, der als eilbedürftig und unabweisbar galt. Besser wäre es gewesen, die Eigentümerin die Sanierung bezahlen zu lassen und den Sparbeitrag ehrlich über Leistungen und Kosten zu diskutieren.
Sitzungsvorlage 20-26 / V 19400: Verwendung von Stellplatzablösemitteln - U-Bahnhofmodernisierung Poccistraße Kosten und Finanzie..., Ratsinformationssystem der Stadt München, 12. März 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.