Staatsbilanz

Stadt/München/Kostensteigerung

Viktualienmarkt: 20 Millionen für einen Keller

In München soll ein Keller mit Toiletten und Lagern 20 Millionen Euro kosten, eingeplant für die ganze Marktsanierung sind 3,1 Millionen

Was ist passiert?

Der Viktualienmarkt gehört zu den bekanntesten Lebensmittelmärkten der bayerischen Landeshauptstadt. Betrieben wird er von den Märkten München, einem Eigenbetrieb der Stadt. Er soll saniert werden, doch die Stadt hat dem Betrieb eine Sparvorgabe gemacht. Deshalb wird das ursprüngliche „Zukunftskonzept Viktualienmarkt“ nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen soll in kleineren Abschnitten nach Dringlichkeit saniert werden.

Das dringendste Vorhaben ist ein neues Kellerbauwerk im Bereich des Cafés Nymphenburg. Es soll Toilettenanlagen, Personal- und Lagerräume, Kühllager, einen Nassmülltank und Hausanschlussräume aufnehmen. Wie teuer das wird, weiß bislang niemand genau. Weil „noch keine Vorplanung mit qualifizierter Kostenschätzung“ vorliegt, beziffern die Märkte München den Kostenrahmen nur mit rund 20 Mio. Euro, Risikoreserven eingerechnet. Das ist so viel, wie der gesamte Betrieb in einem Jahr an Umsatz erwartet (20 Mio. Euro für 2026).

Zum Vergleich: Im Vermögensplan stehen für die Sanierung des Viktualienmarkts insgesamt 3,103 Mio. Euro an geplanten Kosten. Der Kellerrahmen liegt damit gut sechsmal so hoch (20 : 3,103 ≈ 6,4). Bis Mitte 2026 flossen davon erst 75.000 Euro.

Die Finanzlage des Betriebs ist angespannt. Für 2026 ist ein Jahresfehlbetrag von 8,133 Mio. Euro genehmigt, im ersten Halbjahr lagen die Umsätze bereits 0,873 Mio. Euro unter Plan. Maßnahmen, die nicht existenziell sind, werden verschoben, obwohl sie später voraussichtlich teurer werden. Die Sanierung des Pasinger Viktualienmarkts ruht vor 2028 ganz. Dennoch sollen die Märkte München im Wirtschaftsplan 2027 das Baureferat mit der Planung beauftragen. Die Mittel dafür seien „bereits genehmigt und vorhanden“, heißt es in der Vorlage.

Kritik

Ein Betrieb, der ein Defizit von 8,1 Mio. Euro erwartet und bei Instandhaltung spart, sollte nicht ein Vorhaben in Höhe eines ganzen Jahresumsatzes anstoßen. Ein Keller für Toiletten, Lager und Technik darf nicht zum Millionengrab werden, nur weil er unter einem berühmten Markt liegt. Vor jeder weiteren Beauftragung gehören eine belastbare Kostenschätzung und ein Vergleich einfacherer Varianten auf den Tisch. Der Kostenrahmen muss dann gedeckelt werden, bevor Planungsaufträge Fakten schaffen.

Sitzungsvorlage 26-32 / V 01449: Märkte München (MM); Zweiter Zwischenbericht für das Wirtschaftsjahr 2026 - Bekanntgabe -, Ratsinformationssystem der Stadt München, 24. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus München

  1. 22.10.2026München München: 2,8 Mio. Euro für Olympia ohne Zusage 2,8 Mio. € Die Olympia-Bewerbung kostet München grob 15 bis 20 Mio. Euro, acht neue Stellen schon 2,8 Mio., obwohl offen ist, ob die Stadt weiterkommt
  2. 15.10.2026München 92.120 Euro für Fußspuren und Fahrradständer 92.120 € München gibt am Hauptbahnhof 92.120 Euro für Fußspuren und Fahrradständer aus, der Freistaat zahlt nur 45.650 Euro, Sozialarbeit am Bahnhof bleibt liegen
  3. 01.10.2026München 4,95 Millionen Euro für zwei Sportplätze 4,95 Mio. € München zahlt in Pasing fast 5 Millionen Euro selbst, weil der Bund statt 4,5 Millionen nur 550.000 Euro gibt; die Stadt trägt nun 90 statt 55 Prozent

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz