Staatsbilanz

Stadt/Nürnberg/Kostensteigerung

Abluftanlage in Nürnberg doppelt so teuer

Für die Abluftanlage im Nürnberger Klärwerk 2 werden 7,2 Millionen statt der beschlossenen 3,5 Millionen Euro fällig, weil Maschinen viel zu billig geschätzt wurden

Was ist passiert?

Im Klärwerk 2 der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN) soll eine neue Abluftbehandlungsanlage entstehen. Anlass ist die Erschließung des AEG-Nord-Areals. Weil SUN sich dazu vertraglich verpflichtet hat, muss die Anlage zu einem festen Termin fertig sein.

Im April 2024 stimmte der Werkausschuss dem Plan zu. Die Kosten waren damals mit 3,5 Mio. Euro angesetzt, einer Abschätzung von SUN noch vor Planungsbeginn. Dann kamen im April 2026 die Angebote auf die Ausschreibungen für Bau- und Maschinentechnik. Das Ergebnis: Das Vorhaben kostet 7,2 Mio. Euro, also 3,7 Mio. Euro mehr. Gerechnet auf die Ausgangssumme ist das mehr als das Doppelte (7,2 geteilt durch 3,5 ergibt 2,06).

Den Löwenanteil trägt die Maschinentechnik. Sie war mit 1,44 Mio. Euro veranschlagt und steht nun mit 4,78 Mio. Euro in der Rechnung. Das sind 3,34 Mio. Euro mehr und damit rund 90 Prozent der gesamten Mehrkosten (3,34 geteilt durch 3,7). Selbst der Bauentwurf des Ingenieurbüros vom Mai 2025 hatte für diesen Posten erst 2,62 Mio. Euro ausgewiesen. Auch dieser Wert lag fast 2,2 Mio. Euro unter dem Ausschreibungsergebnis.

Die Vorlage nennt als Hauptgrund die Fehleinschätzung des externen Fachplaners bei der maschinentechnischen Ausrüstung. Erklärt wird sie mit enormen Preisentwicklungen infolge der geopolitischen Lage und mit fehlender Kostenerfahrung bei einer Anlage dieser Größe. Ob das den Fehler entschuldigt oder eher beschreibt, bleibt dem Leser überlassen. Der Werkausschuss soll die Erhöhung am 18. Juni 2026 genehmigen. Eine echte Wahl hat er angesichts des vertraglich gebundenen Fertigstellungstermins kaum.

Kritik

Wer eine Anlage plant, für die ihm selbst die Kostenerfahrung fehlt, darf nicht einfach auf eine niedrige Schätzung vertrauen. Ein Planer ohne Erfahrung in dieser Größenordnung hätte erst gar nicht den Auftrag bekommen dürfen. Zumindest hätten Marktpreise früh abgefragt und Reserven eingeplant werden müssen. Wenn ein fester Termin den Ausschuss am Ende zum Zustimmen zwingt, ist die Kontrolle durch das Gremium ausgehebelt. Die Stadt sollte außerdem prüfen, ob der Planer für den Schätzfehler einstehen muss.

SUN/026/2026: Neubau Abluftbehandlungsanlage Klärwerk 2, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 18. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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