Staatsbilanz

Stadt/Nürnberg/Fehlplanung

2,9 Millionen für Pflegeheim-Pläne im Müll

Nürnberg stoppt den Teilneubau eines Pflegeheims in Erlenstegen, weil er statt 33 nun 44,2 Millionen Euro kosten würde, die Planung war umsonst

Was ist passiert?

Auf dem Platnersberg im Nürnberger Stadtteil Erlenstegen betreibt das städtische NürnbergStift seit den 1960er Jahren ein Pflegeheim, mitten in einer Parkanlage. Das Haus hat Sanierungsstau, heute bietet es rund 93 Plätze. Es sollte deshalb modernisiert und teilweise neu gebaut werden.

Das Vorhaben startete 2021 mit einem Kostenrahmen von 33 Mio. Euro. Geplant waren 110 Pflegeplätze plus 10 Hospizplätze. Als die Vorplanung abgeschlossen war, stand in der Kostenschätzung eine andere Zahl: rund 44,2 Mio. Euro, also gut 11 Mio. Euro oder ein Drittel mehr. Auch nach Einsparvorschlägen ließ sich der Rahmen laut Stadt nicht halten.

Dazu kam eine Gesetzesänderung. Bis Ende 2028 hätte das Heim bauliche Mindestanforderungen erfüllen müssen. Seit Januar 2025 genießt es Bestandsschutz, eine Pflegenutzung im alten Gebäude ist damit weiter möglich. Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung über 20 Jahre ergab zudem für beide Neubauvarianten ein Defizit.

Die Verwaltung empfiehlt nun, die Planung für den Teilneubau einzustellen und die Verträge mit den Planern zu kündigen. Zurück bleibt die sogenannte „verlorene Planung“: rund 2,9 Mio. Euro, davon waren zuletzt 2,3 Mio. Euro bereits gezahlt, weitere rund 0,6 Mio. Euro sind noch fällig. Die Summe ist eine Prognose, abgerechnet ist noch nicht alles. Auf jeden der künftig geplanten 87 Pflegeplätze entfallen damit rund 33.400 Euro Planung (2,9 Mio. Euro geteilt durch 87), die nie ein Bauteil hervorgebracht hat.

Stattdessen soll das Haus nun im Bestand saniert werden, für rund 29,9 Mio. Euro. Dafür gibt es nur noch etwa 87 Plätze, ein Hospiz ist nicht mehr möglich. Weil die Planer neu ausgeschrieben werden müssen, rechnet die Stadt mit deutlicher Verzögerung. Baubeginn soll Ende 2027 sein, die Fertigstellung Mitte 2033. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit gilt nur, wenn die angesetzten Fördermittel tatsächlich fließen.

Kritik

Fast drei Millionen Euro Steuergeld sind in eine Planung geflossen, die jetzt im Papierkorb landet. Ein Kostenrahmen von 33 Mio. Euro, der bei der Vorplanung um ein Drittel überschritten wird, hätte früher Alarm auslösen müssen. Die Bestandssanierung und die Wirtschaftlichkeit der Neubauvarianten hätten geprüft werden müssen, bevor Millionen in Entwürfe fließen, nicht erst danach. Bei künftigen Projekten braucht es eine verbindliche Kostenbremse mit Zwischenprüfung nach jeder Planungsstufe, damit nicht erst am Ende erkannt wird, dass der Weg nicht trägt.

Ref.V/006/2026: Bauliche Weiterentwicklung der Senioren-Wohnanlage Platnersberg, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 17. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

Weitere Vorgänge aus Nürnberg

  1. 22.10.2026Nürnberg 3 Millionen Verlust in Nürnberger Pflegeheimen 2.998.641 € Die städtischen Nürnberger Pflegeheime planen für 2027 knapp 3 Millionen Euro Verlust, und die Stadt sieht keinen Ausgleich vor
  2. 24.09.2026Nürnberg Kita in Nürnberg wird 2,1 Millionen teurer 13,688 Mio. € Nürnberg baut in Großreuth eine Kita für 13,7 statt 11,6 Millionen Euro, allein 629.000 Euro kostet der öffentliche Platz davor
  3. 18.06.2026Nürnberg Abluftanlage in Nürnberg doppelt so teuer 7,2 Mio. € Für die Abluftanlage im Nürnberger Klärwerk 2 werden 7,2 Millionen statt der beschlossenen 3,5 Millionen Euro fällig, weil Maschinen viel zu billig geschätzt wurden

Neue Vorgänge per E-Mail

Auswahl ändern

Neue Vorgänge per E-Mail

Bestätigung per E-Mail, Abmeldung jederzeit. Datenschutz