Kita in Nürnberg wird 2,1 Millionen teurer
Nürnberg baut in Großreuth eine Kita für 13,7 statt 11,6 Millionen Euro, allein 629.000 Euro kostet der öffentliche Platz davor
Was ist passiert?
Nürnberg (BY). In der Grünewaldstraße im Stadtteil Großreuth lässt die Stadt über ihre Gesellschaft WBG KOMMUNAL eine Kindertagesstätte für 250 Kinder neu bauen: vier Kindergartengruppen und sechs Hortgruppen auf 2.637 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Nebenan steht eine ältere städtische Kita, die später saniert werden soll.
Im Februar 2020 genehmigte der Bau- und Vergabeausschuss für das Vorhaben 11,58 Mio. Euro. Grundlage war eine Kostenberechnung von 2019. Im Dezember 2025 wurden die Kosten auf 12,7 Mio. Euro fortgeschrieben. Nur neun Monate später liegt die nächste Erhöhung auf dem Tisch: auf 13,688 Mio. Euro, also 988.000 Euro mehr. Gegenüber dem ursprünglichen Beschluss sind das rund 2,1 Mio. Euro oder gut 18 Prozent. Umgerechnet kostet jeder der 250 Betreuungsplätze knapp 55.000 Euro (13,688 Mio. : 250).
Den größten Posten, 629.000 Euro, verursacht ein 917 Quadratmeter großer Vorplatz. Er wird als öffentlich zugänglicher Stadtteilplatz mit Sitzmöglichkeiten, Holzpodesten und Pflanzflächen gestaltet und soll nun schon zur Eröffnung fertig sein, nicht erst mit der späteren Sanierung der Nachbar-Kita. Das macht rund 690 Euro je Quadratmeter (629.000 : 917). Fünf Stellplätze, zwölf Fahrradständer und ein öffentlicher Geh- und Radweg gehören dazu. Die Stadt führt die Mehrkosten darauf zurück, dass die Planung 2019 noch nicht so tief gewesen sei wie heute.
Weitere 359.000 Euro entfallen auf Technik, vor allem nach einem Brandereignis auf der Baustelle. Die Fernwärmeübergabestation muss auf Wasserschäden untersucht werden, Erdung und Heizungsleitungen sind beschädigt oder müssen geprüft werden. Die Pumpen des Fettabscheiders waren beschädigt und teils nicht mehr vorhanden, die Anlage muss komplett ersetzt werden. Ob Anzeige wegen Diebstahls erstattet wird, soll erst noch geprüft werden. Fertig werden soll alles im zweiten Quartal 2027.
Kritik
Ein Vorplatz mit Sitzgelegenheiten, Holzpodesten und öffentlichem Durchgang gehört nicht in das Budget einer Kita, zumal die Durchwegung nach dem Bebauungsplan ohnehin vorgesehen war und nicht allein durch den Neubau ausgelöst wird. Wer die Erschließung eines Gebäudes erst Jahre nach der Kostenberechnung konkret plant, hat den Preis zu niedrig angesetzt und die Politik mit einer zu geringen Summe entscheiden lassen. Dass auf einer Baustelle Schäden entstehen und Anlagenteile beschädigt oder verschwunden sind, deutet zudem auf mangelnde Sicherung hin, für die nicht der Steuerzahler aufkommen sollte. Die Stadt sollte Kosten für öffentliche Infrastruktur künftig von Beginn an getrennt ausweisen und Schäden konsequent bei den Verursachern oder Versicherungen einfordern.
3. BM/011/2026: Neubau KITA Grünewaldstraße 18 b mit Vorplatz für Kita 18 a und b, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 24. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.