3 Millionen Verlust in Nürnberger Pflegeheimen
Die städtischen Nürnberger Pflegeheime planen für 2027 knapp 3 Millionen Euro Verlust, und die Stadt sieht keinen Ausgleich vor
Was ist passiert?
Das NürnbergStift ist der städtische Pflegebetrieb der Stadt, organisiert als Eigenbetrieb. Er betreibt Pflegeheime, Tagespflegen, einen ambulanten Dienst und eine geriatrische Reha mit zusammen rund 700 Beschäftigten und Auszubildenden. Eigentlich soll das Geld aus Pflegesätzen kommen, die mit Pflege- und Sozialkassen ausgehandelt werden.
Für 2027 sieht der Wirtschaftsplan trotzdem ein Minus von 2.998.641 Euro vor. Rechnerisch sind das gut 8.200 Euro an jedem einzelnen Tag des Jahres (2.998.641 Euro geteilt durch 365). Einen Verlustausgleich der Stadt sieht der Haushaltsentwurf nicht vor, das Defizit bleibt im Betrieb und belastet dessen Bilanz weiter.
Die Werkleitung erklärt das mit strukturellen, kaum beeinflussbaren Rahmenbedingungen. Tatsächlich entfallen 2.350.821 Euro und damit rund 78 Prozent des Fehlbetrags auf Kosten, die kein Kostenträger erstattet. Der größte Posten ist eine pauschale Verwaltungskostenerstattung an die Stadt von 898.027 Euro, etwa 2.460 Euro pro Tag. Dazu kommen die alten August-Meier-Häuser: Den Mieterlösen von 426.274 Euro stehen Kosten von 1.203.408 Euro für Investitionen, Instandhaltung, Energie und Wasser gegenüber. Es bleibt ein Minus von 777.134 Euro, im Schnitt rund 64.800 Euro im Monat. Die Häuser haben laut Plan den zweitgrößten Gasverbrauch aller städtischen Dienststellen. Wegen stark veralteter Rohre spült der Betriebsdienst zudem jede Woche gegen Legionellen, was 67.000 Euro im Jahr kostet.
Hinzu kommt der Umzug von Johannis in die neu gemietete Großweidenmühle. Eine Anlaufregelung mit dem Vermieter, der wbg, ließ sich nicht vereinbaren, weder Mietfreistellung noch reduzierte Miete. Allein die Gebäudemiete für die Großweidenmühle liegt bei 909.848 Euro, die dafür erzielbaren Investitionserlöse bei 896.686 Euro, wobei auch sonstige Kosten anfallen. Für Johannis und Großweidenmühle zusammen bleibt eine Unterdeckung von 207.000 Euro, weil die Auslastung vorsichtig mit 85 bis 90 Prozent geplant wird.
Kritik
Über Jahre hat der Betrieb alte, energiehungrige und marode Gebäude weiterbetrieben, obwohl die Mieten die Kosten bei Weitem nicht decken. Wer ein neues Haus im Betreibermodell anmietet, sollte die Anlaufphase vorher vertraglich absichern, statt die Unterdeckung später selbst zu tragen. Nicht erstattungsfähige Posten wie die pauschale Verwaltungsumlage von fast 0,9 Mio. Euro gehören auf den Prüfstand, ebenso der Zuschnitt des Eigenbetriebs. Ein Defizit zu planen, ohne zu sagen, wer es am Ende bezahlt, ist keine tragfähige Finanzpolitik.
NüSt/017/2026: Wirtschaftsplan 2027, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 22. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.