Kanal in Neunhof: 8,54 Millionen Euro
In Nürnberg-Neunhof kosten 440 Meter neue Abwasserrohre 8,54 Millionen Euro statt der geplanten 2,96 Millionen, obwohl Funde im Boden absehbar waren
Was ist passiert?
Nürnberg-Neunhof (BY).
Neunhof ist ein Ortsteil von Nürnberg, dessen Altort 1246 erstmals genannt wurde. In der Unteren und Oberen Dorfstraße lässt die städtische Stadtentwässerung und Umweltanalytik (SUN) auf zusammen rund 440 Metern (230 m plus 208 m) neue Abwasserkanäle verlegen. Den Kostenrahmen setzte der zuständige Werkausschuss im Dezember 2022 auf 2,96 Mio. Euro fest.
Das hielt nicht lange. Im Juli 2023 wurde er auf 4,86 Mio. Euro angehoben, weil ein anderer Baugrubenverbau und eine geschlossene Wasserhaltung nötig wurden. Nun soll der Ausschuss ein zweites Mal nachbewilligen: 3,68 Mio. Euro mehr, Gesamtkosten dann 8,54 Mio. Euro.
Die Gründe sind teils erstaunlich vorhersehbar. Dass der Ort in einer archäologischen Verdachtsfläche liegt, zeigte sich laut Vorlage schon bei der Vorbereitung der Baumaßnahme. Gefunden wurden Holzbohlenwege, ein verfüllter Steinbrunnen und ein Fassbrunnen, der als Block ins städtische Archiv gebracht wurde. Die Archäologie kostet insgesamt rund 795.000 Euro, davon 545.000 Euro mehr als zuvor angesetzt. Wegen der Funde und der Verzögerungen musste die Baufirma den Lagerplatz zweimal räumen (75.000 und 85.000 Euro), die längere Vorhaltung der Baustelle schlägt mit weiteren 520.000 Euro zu Buche.
Dazu kommen der erschütterungsarme Bohrpfahlverbau für zwei denkmalgeschützte Häuser des Neunhofer Schlosses (rund 602.000 Euro), Eckprofile für die Spundwand, die in der Ausschreibung fehlten (rund 221.000 Euro), Erschütterungsmessungen, die bislang gar nicht eingeplant waren (55.000 Euro), sowie quecksilber- und bleibelasteter Aushub (rund 270.000 Euro). Ein Gutachter nennt die Erschütterungsempfindlichkeit des Bodens äußerst selten. Das ist die Erklärung der Verwaltung.
Rechnerisch kostete der Kanal anfangs gut 6.800 Euro je Meter (2,963 Mio. Euro geteilt durch 438 m). Nach der jetzigen Planung sind es rund 19.500 Euro je Meter (8,54 Mio. Euro geteilt durch 438 m). Die Erläuterung ist auf Februar 2025 datiert, der Beschluss steht erst im April 2026 an, während die Arbeiten längst laufen.
Kritik
Wer wusste, dass der Baugrund in einer archäologischen Verdachtsfläche liegt, hätte die Funde und ihre Kosten von Anfang an realistisch einplanen müssen. Auch Grundwasser, Bodenbelastung und der Schutz denkmalgeschützter Gebäude lassen sich vor der Ausschreibung durch gründliche Untersuchungen klären. Stattdessen wurde der Kostenrahmen in zwei Schritten auf fast das Dreifache angehoben, teils nachträglich für bereits laufende Arbeiten. Ein ehrlicher Ansatz zu Beginn hätte dem Ausschuss und den Gebührenzahlern solche Überraschungen erspart.
SUN/009/2026: Gebietssanierung Neunhof, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 23. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.