3,9 Millionen Euro für Umzug, der nie geht
Nürnberg wollte 2017 den Betriebshof Braillestraße für 3,9 Millionen Euro ausbauen, nach acht Jahren heißt es: Anbau ist nicht erlaubt
Was ist passiert?
Der städtische Servicebetrieb Öffentlicher Raum (SÖR) steuert von mehreren Betriebshöfen aus Werkstätten, Unterhaltsbezirke und den Winterdienst. Ein Standort liegt in der Großreuther Straße im Nürnberger Norden, auf einem ehemaligen Flugplatzgelände mit zwei Flugzeughangaren. Die Gebäude dort sind stark sanierungsbedürftig, im Keller des Verwaltungsgebäudes ist es feucht und schimmlig.
Deshalb fasste der Werkausschuss im Oktober 2017 einen Beschluss: Der Hof in der Großreuther Straße sollte geräumt werden, die Einheiten sollten in die nahe Braillestraße umziehen. Dafür setzte man 3,1 Mio. Euro für die Sanierung des dortigen Standorts und weitere 800.000 Euro für einen Erweiterungsbau an, zusammen 3,9 Mio. Euro. Etwa jeder fünfte Euro davon sollte in den Anbau fließen (800.000 : 3,9 Mio. = rund 21 Prozent).
Im Februar 2026, mehr als acht Jahre später, legte die Verwaltung dem Werkausschuss eine andere Lage vor. Bei der weiteren Prüfung habe sich herausgestellt, dass eine Erweiterung der Braillestraße baurechtlich nicht möglich sei. Der Standort müsse sogar ganz geräumt werden. Der Beschluss von 2017 soll deshalb aufgehoben werden.
Die Konsequenz: Die Großreuther Straße bleibt nun doch bestehen, schon wegen ihrer Lage als Stützpunkt für den Winterdienst. Sie soll mit Platz für rund 130 Fahrzeuge und etwa 120 Mitarbeiterstellplätze saniert oder in Teilen neu gebaut werden. Auch für die Donaustraße und die Hans-Kalb-Straße will die Stadt ein externes Planungsbüro im Vergabeverfahren suchen. Kosten nennt die Vorlage dafür nicht. Auf dem alten Flugplatzgelände sind zudem Bodenbelastungen möglich, deren Kosten sich mangels Untersuchungen nicht einschätzen lassen.
Die Braillestraße umfasst 20.500 m² und damit gut ein Drittel der Gesamtfläche des Standorts von 58.759 m² (20.500 : 58.759 = rund 35 Prozent). Sie soll aufgegeben und womöglich dem Marienbergpark oder einer Kleingartenanlage zugeschlagen werden.
Kritik
Ein Erweiterungsbau gehört nicht in einen Beschluss, solange nicht geklärt ist, ob er überhaupt genehmigt werden kann. Diese Prüfung wäre vor dem Beschluss 2017 nötig gewesen und nicht erst nach acht Jahren. So ging fast ein Jahrzehnt verloren, in dem die Gebäude in der Großreuther Straße weiter verfielen und der Umzugsplan auf einer unhaltbaren Annahme beruhte. Bei künftigen Standortbeschlüssen sollte das Baurecht zuerst geprüft werden, dann folgen Kostenansätze und Planungsaufträge.
SÖR/107/2025: SÖR - Standorte;, Ratsinformationssystem der Stadt Nürnberg, 4. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.