11,2 Millionen für zu kleines Archiv
Pforzheim will sein Stadtarchiv für 11,2 Millionen Euro verlegen, doch laut Architekt passen nur etwa zwei Drittel der nötigen Regale hinein
Was ist passiert?
Pforzheim (BW). Das Stadtarchiv sitzt seit dem Jahr 2000 in einem ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus in der Nordstadt. Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, nicht barrierefrei, und die Magazine sind weitgehend voll. Nun soll das Archiv ins Lutherhaus ziehen, einen leerstehenden Bau von 1968 am Schloßberg. Dort werden ohnehin Jugendzentrum und Gemeindehaus abgerissen, in der entstehenden Baugrube soll ein unterirdisches Magazin entstehen. Der Gemeinderat soll am 17. November 2026 den Standort grundsätzlich festlegen und 650.000 Euro für die weitere Planung freigeben.
Die Vorlage der Verwaltung hält den Bedarf von 8.000 laufenden Regalmetern bis 2045 für gedeckt: 7.000 im Neubau, 1.000 im Untergeschoss des Lutherhauses. Der beauftragte Architekt beschreibt es in seinem Projektbericht anders. Ohne zusätzlichen Erdaushub, den er auf rund 3.500 Kubikmeter beziffert, passen in die Baugrube des Jugendzentrums nur 4.200 bis 4.500 Meter, mit dem Untergeschoss insgesamt 5.100 bis 5.400. Das sind nur 64 bis 68 Prozent des Bedarfs (5.100 und 5.400 jeweils geteilt durch 8.000). Als Mindestmaß für den Umzug nannte die Archivleitung 6.500 Meter. Auch diese Marke läge außer Reichweite.
Die Kosten betragen vorläufig 11,2 Mio. Euro, davon rund 4,0 Mio. für das Magazin und 7,2 Mio. für das Lutherhaus. Ausstattung, Rollregale und Umzug fehlen noch. Rund 4,2 Mio. Euro Fördermittel gelten als möglich, rund 7,0 Mio. Euro blieben bei der Stadt. Die Modellrechnung der Verwaltung ergibt jährlich 401.000 Euro Annuität gegenüber heute 250.000 Euro Miete, also 151.000 Euro mehr. Bei den 1.700 Menschen, die das Archiv 2025 erreichte, sind das knapp 89 Euro je Person und Jahr zusätzlich (151.000 geteilt durch 1.700).
Die Verwaltung begründet das Vorhaben mit einer neuen Kulturachse durch die Innenstadt und mit Mieten, die perspektivisch in städtisches Vermögen fließen sollen. Die Eigentumslösung sei „wirtschaftlich vertretbar“, der eigentliche Nachweis soll aber erst später folgen.
Kritik
Wer ein Archiv verlegt, muss zuerst wissen, ob die Regale hineinpassen. Hier soll der Standort festgelegt werden, obwohl der Architekt ohne zusätzlichen Aushub nur gut zwei Drittel des Bedarfs unterbringt und der Synergievorteil der vorhandenen Baugrube damit schrumpft. Dass die Kosten von 11,2 Mio. Euro Ausstattung, Regalanlagen und Umzug noch gar nicht enthalten, macht die jährliche Mehrbelastung von 151.000 Euro eher zu niedrig als zu hoch. Die Stadt sollte zuerst Raumbedarf und tatsächliche Gesamtkosten klären und erst danach den Standort beschließen.
2000742: Verlagerung des Stadtarchivs Pforzheim in das Lutherhaus, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 20. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.