Staatsbilanz

Stadt/Pforzheim/Kostensteigerung

Würm: Aufzug wird zum 1,3-Millionen-Umbau

Pforzheim wollte das Amt in Würm mit Aufzug stufenlos zugänglich machen für 438.600 Euro, nun kostet der Umbau 1,3 Millionen Euro

Was ist passiert?

Würm ist ein Ortsteil von Pforzheim mit eigener Ortsverwaltung. Dort gibt es Meldedienste, Sozial- und Bürgerangelegenheiten, Trauungen und Veranstaltungen. Die Büros liegen im ersten Obergeschoss und sind nur über eine enge, innenliegende Treppe zu erreichen. Ein stufenloser Zugang, ein Aufzug und ein behindertengerechtes WC fehlen. Das Haus sollte deshalb barrierefrei werden.

Ursprünglich war dafür ein Plattformlift oder ein Außenaufzug samt WC vorgesehen. Im Haushalt stehen dafür 438.600 Euro. Dann stellte sich bei der Planung heraus, dass auch der Brandschutz gravierende Mängel hat, vor allem beim zweiten Rettungsweg. Zugleich wurden die Abläufe in der Verwaltung hinterfragt. Heraus kam ein deutlich größerer Plan: Das Bürgerbüro und Teile der Verwaltung ziehen ins Erdgeschoss, es gibt ein neues WC, eine Außentreppe als Rettungsweg, einen neuen Eingangsbereich, eine Spindeltreppe und einen Umbau von Ratssaal und Trauzimmer. Die Kosten steigen auf 1,3 Mio. Euro, also um 861.400 Euro. Das ist fast doppelt so viel, wie ursprünglich für das gesamte Vorhaben eingeplant war. Für den Lift selbst sind in der Kostenberechnung 77.000 Euro angesetzt, rund 6 Prozent der Summe (77.000 : 1.300.000).

Das Geld soll aus anderen Töpfen kommen. 88.000 Euro für 2026 werden bei Geräten und Maschinen des Gebäudemanagements abgezwackt. Weitere 658.000 Euro für 2027 sollen aus dem Budget für den Umbau der Kita in der Habsburgerstraße 16 fließen. Die Verwaltung hält die Planung für wirtschaftlich, die Verbesserungen und Synergien im Bauablauf rechtfertigten die höheren Kosten. Dabei fehlt noch das Brandschutzkonzept, es soll bis November 2026 entstehen. Der Gemeinderat soll aber schon am 17.11.2026 über die 1,3 Mio. Euro entscheiden. Dazu kommen jährliche Folgekosten von 67.500 Euro.

Kritik

Wer ein Haus barrierefrei machen will, darf daraus keinen Komplettumbau mit neuer Raumaufteilung werden lassen, ohne die Kosten der Pflichtmaßnahmen und der Wunschplanung getrennt auszuweisen. Dass ein Brandschutzdefizit erst in der Entwurfsplanung auffällt, zeigt, dass der Zustand des Gebäudes vorab nicht sauber geprüft wurde. Es ist zudem unsolide, mehr als eine halbe Million Euro aus dem Kita-Umbau abzuziehen und eine Millionensumme zu beschließen, bevor das Brandschutzkonzept vorliegt. Zuerst hätte der notwendige Umfang feststehen müssen, dann die Kosten, und erst danach die Umplanung ins Erdgeschoss.

2000735: Barrierefreier Zugang und Brandschutz Ortsverwaltung Würm Grundsatz- und Baubeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 21. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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