Staatsbilanz

Stadt/Pforzheim/Folgekosten

2,4 Millionen für ein Stadtorchester

Pforzheim will seinem Kammerorchester 2,4 Millionen Euro für zwei Jahre fest zusagen, obwohl die Wirkung der neuen Strategie noch offen ist

Was ist passiert?

Das Südwestdeutsche Kammerorchester ist eine städtische GmbH. Es soll Pforzheim als Kultur- und Designstadt bekannt machen und wird dafür von der Stadt bezuschusst, zuletzt mit rund 1,2 Mio. Euro im Jahr. Dem Gemeinderat lag im Frühjahr 2026 der Antrag vor, diesen Betrag für 2028 und 2029 verbindlich festzuschreiben. Das ergibt zusammen 2,4 Mio. Euro (2 × 1,2 Mio. Euro).

Das Bemerkenswerte steht in der Vorlage selbst: Die im Dezember 2024 beschlossene neue Strategie des Orchesters befinde sich noch in einem frühen Stadium, ihre Wirkung am Markt könne derzeit nicht abschließend beurteilt werden. Die Wirtschaftsplanung sei deshalb „bewusst vorsichtig“ kalkuliert worden. Die Zusage müsse trotzdem sofort her, weil Verträge für die Zeit ab 2028 mit erheblichem Vorlauf geschlossen würden.

Die Geschäftsführerin hatte ursprünglich rund 1,36 Mio. Euro Zuschuss je Jahr errechnet, also 160.000 Euro mehr (1,36 Mio. minus 1,2 Mio.). Die Verwaltung hielt das angesichts der Haushaltsentwicklung für nicht darstellbar. Der größte Posten ist das Personal mit rund 2 Mio. Euro, kalkuliert bei voller Besetzung und 3 Prozent Tarifsteigerung. Zusammen mit Material (358.000 Euro), Abschreibungen (11.000 Euro) und sonstigen Aufwendungen (402.000 Euro) ergeben sich rund 2,77 Mio. Euro Aufwand. Die Stadt trägt davon etwa 43 Prozent (1,2 Mio. geteilt durch 2,77 Mio.).

Als Beleg für Seriosität führt die Verwaltung an, dass die Geschäftsführung zuletzt 210.000 Euro gewährter Zuschüsse zurückgegeben hat, weil sich einzelne Ansätze günstiger entwickelten. Wer Geld zurückgibt, hat zuvor allerdings mehr veranschlagt als nötig.

Inhaltlich setzt die Verwaltung auf Image und Standortwirkung: Das Orchester sei Leitinstitution im Kulturentwicklungsplan 2030 und stärke die Attraktivität der Stadt für Fachkräfte und Unternehmen. Der Beschluss war für den 21. Juli 2026 vorgesehen. Wie er ausgefallen ist, ist unbekannt.

Kritik

Zwei Jahre Zuschuss festzuschreiben, bevor die Strategie überhaupt Wirkung gezeigt hat, nimmt dem Rat die Steuerung aus der Hand. Wenn Verträge langen Vorlauf brauchen, genügt eine Zusage mit Bedingungen, etwa einer Neuverhandlung bei verfehlten Eigenertragszielen. Ein vermuteter Imagegewinn ersetzt keine Kennzahlen. Wer 2,4 Mio. Euro zusagt, sollte vorher festlegen, woran er den Erfolg misst.

2000552: Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim GmbH Zuschussanpassung für die Jahre 2028 und 2029 zur wirtschaftlichen Bestandssicherung, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 30. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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