780.000 Euro Wartung für Wasserspender
Pforzheim zahlt für 65 Trinkwasserspender an Schulen in zehn Jahren 780.000 Euro Wartung, die Geräte selbst kosten nur 544.000 Euro
Was ist passiert?
Wenn im Sommer die Klassenzimmer aufheizen, wird das Trinken zur Frage der Konzentration. Das ist die Ausgangslage in Pforzheim, wo bislang nur sieben Trinkwasserspender an Schulen stehen. Nach einer Bedarfsabfrage des Amts für Bildung und Sport sollen nun 65 weitere Geräte an 36 Schulen installiert werden, 14 große und 51 kleine. Gesundheit und Aufmerksamkeit der Kinder hingen von ausreichend Flüssigkeit ab, so die Begründung der Verwaltung. Gegen das Ziel ist kaum etwas einzuwenden.
Doch der Weg dorthin ist teuer. Ein kleines Gerät kostet 5.200 Euro, dazu kommen 3.000 Euro für den Leitungsanschluss, zusammen 8.200 Euro. Das große Gerät schlägt mit 9.200 Euro zu Buche. Der Anschluss allein kostet also mehr als die Hälfte des Kaufpreises eines kleinen Geräts. Die Vorlage nennt Gesamtkosten von 544.000 Euro. Rechnet man mit den eigenen Einzelpreisen nach (14 mal 9.200 plus 51 mal 8.200), ergeben sich 547.000 Euro. Auch die Stückzahlen für Stadt und Eigenbetrieb Schulgebäude stimmen im Text nicht überein: Mal sind es 34 und 31 Geräte, mal 31 und 31.
Den größeren Brocken verspricht die Zeit danach. Die Geräte sollen im „Full-Service“ gewartet werden, für 100 Euro im Monat je Gerät. Das sind 1.200 Euro im Jahr und 78.000 Euro für alle 65 Geräte. Bei der angegebenen Lebensdauer von zehn Jahren kommen 780.000 Euro zusammen, rund 236.000 Euro mehr als die Anschaffung (780.000 minus 544.000). Je Gerät sind es 12.000 Euro Wartung gegen 8.200 Euro für ein kleines Gerät samt Anschluss. Gaskartuschen für Sprudelwasser kommen obendrauf: 75 Euro je Flasche, bei 6 bis 8 Flaschen im Jahr also 450 bis 600 Euro je kleinem Gerät, bezahlt aus dem Schulbudget.
Immerhin gibt es Geld vom Land: 5.000 Euro je Gerät, bis zu 325.000 Euro bei 65 Geräten (65 mal 5.000). In der Finanzierung der städtischen 284.800 Euro taucht diese Förderung allerdings nicht auf. Der Antrag muss bis Ende 2026 gestellt werden, die Beschlüsse sollen am 10. November im Hauptausschuss fallen.
Kritik
Trinkwasser an heißen Tagen ist ein berechtigtes Anliegen, aber bei dieser Lösung bestimmen die Folgekosten die Rechnung: Über zehn Jahre kostet der Betrieb mehr als die Geräte selbst. Wer 100 Euro im Monat je Gerät bindet, sollte den Preis hart verhandeln und prüfen, ob jede Schule wirklich große oder mehrere Geräte braucht. Die Gaskartuschen sind zudem eine Nebenrechnung, die an den Schulen hängen bleibt. Die Förderung von bis zu 325.000 Euro sollte fest in die Finanzierung eingeplant werden, damit die Stadt sie nicht verschenkt.
2000681: Beschaffung von Trinkwasserspendern an Pforzheimer Schulen, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 21. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.