Leeres Kaufhaus kostet Pforzheim 6,5 Millionen
Die städtische Wohnungsgesellschaft in Pforzheim schreibt das leere frühere C&A-Haus um 6,5 Millionen Euro ab, dazu 1,5 Millionen für verworfene Pläne
Was ist passiert?
Die STADTBAU GmbH Pforzheim gehört der Stadt und soll vor allem bezahlbaren Wohnraum schaffen und vermieten. Seit 2021 gehört auch die Stadtentwicklung zu ihren Aufgaben: Sie kümmert sich um auffällige, brachliegende oder ungenutzte Grundstücke und Gebäude im Stadtgebiet. Dazu zählt das große Eckhaus Östliche Karl-Friedrich-Straße 1, das bis Mitte 2025 an das Modehaus C&A vermietet war.
Zum 30. Juni 2025 zog der Mieter aus, seither steht das Haus leer. Zum Jahresende korrigierte die Gesellschaft den Buchwert und nahm eine Sonderabschreibung von 6.497 T€ vor. Das ist mehr als das Gesellschafterdarlehen der Stadt, das zum selben Stichtag noch mit 6.154 T€ offen war. Als Begründung nennt die Gesellschaft, dass nun umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen nötig seien, bevor das Gebäude neu vermietet werden könne. Im Geschäftsbericht ist von einem umfassenden Refurbishment die Rede, bei dem die Haustechnik nahezu vollständig erneuert und der Innenausbau komplett neu gestaltet werden soll. Mit dem Nutzungskonzept sei eine erfolgreiche Nachnutzung gesichert, heißt es dort. Gesichert ist bislang vor allem der Verlust.
Dazu kommen Planungskosten, die ins Leere liefen. Mehrere Wettbewerbe und Bauprojekte aus früheren Jahren verfolgt die Gesellschaft „in der ursprünglich vorgesehenen Form“ nicht mehr weiter. Dafür wurden 2025 rund 651 T€ und im Jahr davor 886 T€ abgeschrieben, zusammen 1.537 T€. Beim geplanten Geschosswohnungsbau im Gebiet mehrtiergarten (sechs Häuser mit Tiefgarage) bremsen hohe Baukosten und gestiegene Zinsen die Umsetzung.
Das Ergebnis: Aus dem laufenden Geschäft blieben 798 T€ übrig, nach den Sonderabschreibungen stand ein Jahresfehlbetrag von 1.625 T€. Der alleinige Abschreibungsbetrag für das Eckhaus ist gut achtmal so hoch wie das operative Ergebnis (6.497 T€ : 798 T€ ≈ 8,1). Der Verlust wird aus den Gewinnrücklagen gedeckt.
Kritik
Wer als städtische Gesellschaft Stadtentwicklung betreibt, muss für eine Schlüsselimmobilie in der Innenstadt eine Anschlussnutzung in der Hand haben, bevor der Hauptmieter auszieht. Dass ein Haus erst nach dem Auszug saniert und neu konzipiert wird, kostet Mieteinnahmen und im Zweifel eben Millionen an Buchwert. Auch die verworfenen Wettbewerbe und Planungen zeigen, dass Projekte angeschoben wurden, ohne dass Baukosten und Finanzierung tragfähig waren. Planungsgelder sollten erst fließen, wenn ein Vorhaben wirtschaftlich belastbar ist, sonst zahlt am Ende die Stadt als Eigentümerin.
2000602: Jahresabschluss 2025 der STADTBAU GmbH PFORZHEIM, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 14. Juli 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.