Staatsbilanz

Stadt/Pforzheim/Kostensteigerung

Pforzheimer Schule wird 4,2 Millionen teurer

Pforzheim saniert die Heinrich-Wieland-Schule für 16,57 statt 12,362 Millionen Euro, die letzte Rechnung kommt, als die Schüler schon dort lernen

Was ist passiert?

Die Heinrich-Wieland-Schule wurde mit Geld aus einem Bundesprogramm für finanzschwache Kommunen saniert. Im Juli 2018 gab der Gemeinderat grünes Licht, Grundlage war eine Kostenschätzung von 12,362 Mio. Euro.

Die erste Korrektur folgte 2021: Nach der Kostenberechnung stieg das Auftragsvolumen um 3,44 Mio. Euro auf 15,8 Mio. Euro. Nun soll der Gemeinderat im Mai 2026 weitere 763.320 Euro genehmigen. Die Sanierung würde dann 16,57 Mio. Euro kosten, also 4,208 Mio. Euro oder gut 34 Prozent mehr als 2018 (16,57 Mio. minus 12,362 Mio. Euro). Die Räume sind seit dem Schuljahreswechsel 2025/26 in Betrieb. Die zusätzliche Rechnung kommt also, nachdem die Schüler eingezogen sind.

Die Stadt nennt mehrere Gründe. Während der Bauzeit seien zusätzliche Brandschutzmängel „freigelegt“ worden. Die Lage des Gaslagers galt als baurechtlich nicht akzeptabel, was 498.000 Euro Mehrkosten verursachte. Für den vorgezogenen Bauabschnitt 0 waren 680.000 Euro angesetzt, er wurde „deutlich überschritten“, am Ende um 432.000 Euro, das sind gut 63 Prozent (432.000 geteilt durch 680.000). Dazu kommen Corona und der Ukrainekrieg, die laut Vorlage unvorhersehbar höhere Baupreise und eine längere Bauzeit brachten.

Ein Punkt erscheint in der Aufzählung eher beiläufig: Die Stadt kündigte Firmen wegen Schlechtleistung und fehlender Baustellenbesetzung, einige Gewerke mussten mehrfach ausgeschrieben werden. Die Mehrkosten von zusammen 930.000 Euro habe ein „effizientes Projektmanagement“ auf 763.320 Euro gedrückt, das sind 166.680 Euro weniger.

Bewilligt sind 6,789 Mio. Euro Förderung, etwa 41 Prozent der neuen Gesamtsumme. Bei 16,57 Mio. Euro bleiben rund 9,78 Mio. Euro beim Eigenbetrieb Schulgebäude Pforzheim, in den die Schule 2025 überging. Die aktivierten Eigenleistungen der Stadt sind in den Zahlen gar nicht enthalten, die tatsächlichen Kosten liegen also höher.

Kritik

Brandschutzmängel und ein baurechtlich unzulässiges Gaslager sind bei einer Schulsanierung keine Überraschung, die man erst auf der Baustelle entdecken darf. Eine gründliche Bestandsaufnahme vor der Kostenschätzung hätte diese Posten früh sichtbar gemacht. Wenn ein vorgezogener Bauabschnitt um fast zwei Drittel über dem Ansatz liegt und mehrere Firmen wegen Schlechtleistung gekündigt werden müssen, spricht das zudem für schwache Bauüberwachung und eine unglückliche Vergabe. Wer Eigenleistungen aus der Kostenrechnung herauslässt, damit Antragssumme und Gesamtaufwand zusammenpassen, zeigt den Bürgern nicht, was die Schule wirklich kostet.

2000475: Heinrich-Wieland-Schule - Erhöhung des Gesamtaufwandes Sanierung im Rahmen des Bundesförderprogramms "KInvFG"; Kostenfortschreibung, Ratsinformationssystem der Stadt Pforzheim, 15. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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