247.000 Euro für geplatzte Hallenbad-Pläne
Regensburg bricht die Suche nach einer Baufirma für sein Hallenbad ab: Statt 17,5 kämen 32,6 Mio. Euro heraus, die Suche kostete 247.000 Euro
Was ist passiert?
In der Gabelsbergerstraße steht das städtische Hallenbad. Ende Juni 2025 wurde es dauerhaft geschlossen, weil es das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht hatte. Seine Aufgaben übernahm das neue Bad im Sportpark Ost. Aufgegeben werden sollte das alte Haus trotzdem nicht: Im März 2023 beschloss der Stadtrat, das Hauptgebäude zu sanieren und durch einen Teilneubau zu ergänzen. Veranschlagt waren 17,5 Mio. Euro.
Diese Zahl hatte einen Schönheitsfehler. Preissteigerungen und Risiken bis zum geplanten Bauende 2029 waren darin nicht enthalten. Die städtische Bädergesellschaft SBA wollte die Planung zunächst wie im Sportpark Ost an einen Generalplaner vergeben. Die Regierung der Oberpfalz lehnte das als vergaberechtswidrig ab und empfahl einen Totalübernehmer, der plant und schlüsselfertig baut.
Die Ausschreibung begann im Juni 2025. Nur drei Konsortien bewarben sich, eines sprang später ab. Im Januar 2026 lagen zwei Angebote vor. Das erste sah für 29,7 Mio. Euro die gewünschte Sanierung vor, allerdings mit dürftigen Unterlagen und einem kräftigen Aufschlag für die Risiken im alten Gemäuer. Das zweite bot für 29,5 Mio. Euro gleich einen kompletten Neubau an. Mit Ausstattung, Nebenkosten und Risikopuffer käme die Stadt auf rund 32,6 Mio. Euro netto. Das sind 15,1 Mio. Euro mehr als geschätzt, ein Plus von rund 86 Prozent.
Die Bieter haben damit nachgerechnet, was in der eigenen Schätzung gefehlt hatte. Nun soll das Verfahren aufgehoben werden. Es hat bereits rund 247.000 Euro verschlungen, also etwa 123.500 Euro je eingegangenem Angebot (247.000 Euro geteilt durch zwei). Stattdessen soll das Bad in seiner bestehenden Form kernsaniert werden, Gastronomie und Wohnungen sollen entfallen. Was diese abgespeckte Fassung kosten wird, verrät die Vorlage nicht. Eine Kostenberechnung soll erst Mitte 2028 vorliegen. Bis dahin soll das Planungsbudget um bis zu 350.000 Euro auf 1,5 Mio. Euro steigen. Die Wiedereröffnung ist für spätestens Mitte 2031 angepeilt, ein Jahr später als bisher geplant. Bis dahin wäre das Bad sechs Jahre lang geschlossen.
Kritik
Eine Schätzung ohne Preissteigerung und Risiken ist bei einem Bad, das das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht hat, keine Entscheidungsgrundlage, sondern Wunschdenken. Die gründliche Bestandsaufnahme mit Bauteilöffnungen, die die Stadt jetzt für besonders wichtig hält, hätte vor die Ausschreibung gehört und nicht hinter sie. So zahlen die Steuerzahler 247.000 Euro für die Erkenntnis, dass der alte Plan nicht bezahlbar war, und warten obendrein ein Jahr länger. Für die neue Variante muss eine vollständige Kostenberechnung mit allen Risiken vorliegen, bevor auch nur ein weiterer Auftrag vergeben wird.
VO/26/23084/DB2: Zukunftssicherung städtisches Hallenbad Gabelsbergerstraße: Anpassung des Planungsziels, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 29. April 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.