Staatsbilanz

Stadt/Regensburg/Fehlplanung

Schatten auf dem Schulhof kostet das 40-Fache

Regensburg zahlt 833.000 Euro für Holzdächer, Bäume und Schirme an einer neuen Schule, statt Sonnensegel für 21.000 Euro aufzuhängen

Was ist passiert?

Am Sallerner Berg in Regensburg entsteht ein ganzes Schulzentrum: eine neue Grundschule mit Hort, ein Sonderpädagogisches Förderzentrum, eine Dreifachturnhalle, eine Mensa und Sportplätze. Der Stadtrat beschloss den Neubau im November 2020, der erste Bauabschnitt ist inzwischen fast fertig. Für Schatten auf den Freiflächen sollten Sonnensegel sorgen.

Diese Segel sind nun gestrichen. Es seien zu viele, um sie mit dem vorhandenen Personal fachgerecht zu bedienen, heißt es in der Vorlage. Stattdessen hat das Landschaftsarchitekturbüro ein Verschattungskonzept erarbeitet. Es sieht rund 400 Quadratmeter Pergolen aus Stahl und Holz zu 900 Euro je Quadratmeter vor, dazu rund 200 Quadratmeter aus Holz zu 650 Euro je Quadratmeter. Hinzu kommen Dächer über Spielgeräten, 16 zusätzliche Bäume, sechs verpflanzte Großbäume und zehn Sonnenschirme zu je 4.500 Euro. Auch die Schirme brauchen Personal, räumt die Vorlage ein. Deshalb bleibt es bei zehn Stück.

Teuer wird es vor allem unter der Erde. Elf der neuen Bäume kommen ins Pflaster, jeweils in eine überbaute Pflanzgrube mit Gitterrost. Eine solche Grube kostet 16.000 Euro, der Baum selbst samt zwei Jahren Pflege 1.200 Euro. Das Pflanzloch ist damit gut 13-mal so teuer wie der Baum darin. Im ersten Bauabschnitt müssen zudem Fundamente nachträglich in die gerade fertiggestellten Flächen eingebaut werden. Die reinen Holzdächer sollen nur so lange stehen, bis die Bäume Schatten spenden, und dann wieder abgebaut werden.

Unter dem Strich fallen Sonnensegel für rund 21.100 Euro weg, an ihre Stelle treten Elemente für rund 833.400 Euro. Das ist etwa das 40-Fache (833.375 geteilt durch 21.095 Euro). Mit 90.000 Euro Planungshonorar ergeben sich 902.000 Euro Mehrkosten. Die Kosten der Freianlagen sollen damit von 8,039 Mio. Euro auf 11,198 Mio. Euro steigen. Im Haushalt ist das Geld nicht eingeplant. Es soll bei anderen Vorhaben eingespart oder durch Verschiebungen gewonnen werden. Fördermittel will die Stadt beantragen.

Kritik

Schatten auf einem Schulhof ist kein Luxus, sondern gehört von Anfang an in die Planung. Die Vorlage begründet den Mehrbedarf selbst mit Hitzefolgen, die seit zehn Jahren immer spürbarer würden; sie waren also schon beim Beschluss 2020 absehbar. Wer Sonnensegel einplant, die das eigene Personal nicht bedienen kann, und danach Fundamente in frisch gebaute Flächen setzt, zahlt doppelt. Dass ein Teil der neuen Dächer nur auf Zeit stehen und später auf Kosten der Stadt wieder abgebaut werden soll, macht die Rechnung nicht besser.

VO/26/23379/40: Grundschule am Sallerner Berg und SFZ Jakob-Muth Neubau der Grundschule am Sallerner Berg mit Dreifachturnhalle und Freisportanlagen, Neubau des SFZ Jakob-Muth mit SVE am Standort Harzstraße, Errichtung eines fünfgruppigen Hortes auf dem Gelände des Schulzentrums Sallerner Berg - Fortschreibung des Maßnahmenbeschlusses, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 14. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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