Gleicher Tierhof für Kinder, 35.000 Euro teurer
Regensburg will einem Spiel- und Tierhof für Kinder nach dem Betreiberwechsel 102.850 statt 67.850 Euro zahlen, bei gleichem Personal
Was ist passiert?
Im Regensburger Stadtnorden können Kinder seit 2002 auf einer Kinder- und Jugendfarm spielen und Tiere erleben. Mehr als zwei Jahrzehnte lang betrieb sie der Verein JuFaTreff, die Stadt zahlte zuletzt 67.850 Euro im Jahr dazu. Im Juli 2025 übernahm die Evangelische Jugendsozialarbeit (EJSA) die Farm. Das Personal kam mit, und zwar mit genau so vielen Stunden wie zuvor.
Für 2027 beantragt der neue Träger trotzdem 102.850 Euro, also 35.000 Euro mehr. Leitungsaufgaben, die beim Verein Ehrenamtliche erledigt hätten, lägen nun bei Geschäftsleitung und Verwaltung. Außerdem zahle die EJSA nach Tarif, selbst Mini- und Midijobber mussten neu eingruppiert werden. Dieselbe Farm wird durch den Trägerwechsel also deutlich teurer.
Was die Farm selbst einbringt, etwa über Gerichtszuweisungen, Veranstaltungen oder Fördermitglieder, ist laut Antrag noch gar nicht greifbar. Der Abschluss für 2025 und der Stand für 2026 hängen an der Abrechnung mit dem Vorgängerverein und sollen erst im Herbst 2026 vorliegen. Die Rechnung beruht deshalb auf einer Kalkulation, die der Träger selbst „derzeit realistisch“ nennt. Die Gesamtkosten setzt er für 2027 mit 198.927 Euro an, die Stadt soll davon gut die Hälfte tragen (102.850 geteilt durch 198.927 ergibt rund 52 Prozent).
In der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss vom 15. Oktober 2026, also mitten in jenem Herbst, in dem die Zahlen kommen sollen, empfiehlt die Verwaltung den vollen Betrag. Bei anderen Antragstellern war sie weniger großzügig: Der Stadtjugendring soll statt 600.600 nur 512.100 Euro erhalten, die Salesianer Don Bosco statt 288.100 nur 257.900 Euro, die Jugenddrogenberatung sub21 statt 14.000 nur 11.550 Euro. Ihre Vorschläge hat die Verwaltung ausdrücklich an der derzeitigen Finanzlage der Stadt ausgerichtet.
Insgesamt soll die Förderung der freien Träger von 1.630.300 auf 1.753.400 Euro steigen, ein Plus von 123.100 Euro. Gut 28 Prozent davon entfallen allein auf die Farm (35.000 von 123.100 Euro).
Kritik
Ein Zuschuss, der um mehr als die Hälfte steigt, verlangt eine belastbare Rechnung und keine vorläufige Schätzung. Während andere Träger mit Verweis auf die Kassenlage Kürzungen hinnehmen müssen, bekommt ausgerechnet der Antrag mit den unsichersten Zahlen jeden beantragten Euro. Die Stadt hätte die Abrechnung, die ohnehin für diesen Herbst angekündigt ist, abwarten oder die Erhöhung an den Nachweis der tatsächlichen Einnahmen knüpfen müssen. So zahlt der Steuerzahler im Zweifel für Lücken, die es am Ende vielleicht gar nicht gibt.
VO/26/23312/55: Zuschussanträge der freien Träger der Jugendhilfe im Bereich der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit für das Haushaltsjahr 2027, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 15. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.