Staatsbilanz

Stadt/Regensburg/Kostensteigerung

Kaputte Brunnen für 670.000 Euro

Regensburg baut zwei seit Jahren trockene Springbrunnen für 670.000 Euro neu, 195.000 Euro mehr als geplant, und legt noch eine Tanzfläche dazu

Was ist passiert?

Am Fürst-Anselm-Denkmal, einem Obelisken im historischen Alleengürtel, liegen zwei Springbrunnen aus den 1960er-Jahren. Wasser sprudelt dort schon seit Jahren nicht mehr. Die Leitungen sind defekt, die Betonbecken voller Risse, an manchen Stellen liegt der Bewehrungsstahl frei.

Im Oktober 2024 beschloss der Umweltausschuss, die Becken abzureißen und optisch gleich neu zu bauen, mit unterirdischer Pumpenkammer und einer Platzfläche mit wassergebundener Decke. Die Stadt erwartet mehr Aufenthaltsqualität, Kühlung im Sommer und 320 Quadratmeter weniger versiegelte Fläche. Für das Vorhaben wurden 475.000 Euro aus einer Pauschale für Index- und Risikokosten vorgesehen.

Dann legten die Fachplaner ihre Berechnungen vor. Der Boden unter den Becken ist nicht tragfähig, die Gründung wird aufwendiger. Nach Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde braucht es zudem eine archäologische und kampfmitteltechnische Begleitung, die bisher niemand angesetzt hatte. Abbruch, Erdbau und Beckenbau stiegen von geschätzt 134.000 auf rund 225.000 Euro netto, ein Plus von 68 Prozent. Die Brunnentechnik verteuerte sich von 170.000 auf 215.000 Euro.

Gespart wurde trotzdem nicht, im Gegenteil. In die Planung rückten ein bislang nicht vorgesehener Trinkbrunnen und eine gepflasterte Tanzfläche für örtliche Vereine. Die Landschaftsbauarbeiten kletterten so von 59.750 auf 96.886 Euro netto. Unterm Strich stehen rund 670.000 Euro brutto in der Vorlage, also 195.000 Euro mehr als reserviert. Rechnerisch kostet damit jeder der beiden Brunnen samt Umfeld 335.000 Euro (670.000 Euro geteilt durch zwei).

Im Haushaltsplan und im Investitionsprogramm taucht das Projekt nicht auf. Das Geld soll außerplanmäßig aus der Risikopauschale kommen, Fördermittel gibt es keine. Auch danach fallen Kosten an: Für den Betrieb rechnet die Stadt jährlich mit 23.000 Euro Sachkosten und 49 Arbeitsstunden, ausdrücklich für eine mängelfreie Anlage ohne Vandalismus. In zehn Jahren wären das 230.000 Euro allein an Sachkosten (23.000 Euro mal zehn).

Kritik

Dass tragfähiger Boden und Denkmalschutz erst nach dem Beschluss in die Kosten einflossen, entwertet die erste Schätzung. Statt auf die Steigerung mit Abstrichen zu reagieren, setzte die Stadt noch einen Trinkbrunnen und eine Tanzfläche obendrauf. Eine Risikopauschale ist für Unvorhergesehenes da, nicht als Ersatzkasse für ein Vorhaben, das im Haushalt gar nicht steht. Bei 41 Prozent Mehrkosten hätte das Projekt auf das Nötige reduziert und regulär im Haushalt veranschlagt werden müssen.

VO/25/21901/67: Sanierung Brunnenanlagen Fürst-Anselm-Allee - Planungs- und Maßnahmenbeschluss sowie Mittelbereitstellungsbeschluss - Kostensteigerung -, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 1. April 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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