Regensburg feiert einen Sonntag für 132.150 Euro
Regensburg plant 132.150 Euro statt üblicher 32.150 Euro für einen Festtag zu 20 Jahren Welterbe-Titel seiner Altstadt ein
Was ist passiert?
Die Altstadt Regensburg mit Stadtamhof trägt seit 2006 den Titel UNESCO-Welterbe. Am jährlichen Welterbetag beteiligt sich die Stadt mit Führungen, Workshops und Informationsständen, das reguläre Budget dafür liegt für 2026 bei 32.150 Euro. Dann kam Post aus Bonn: Die Deutsche UNESCO-Kommission und der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland luden Regensburg ein, am 7. Juni 2026 den zentralen Festakt zur bundesweiten Eröffnung auszurichten, passend zum 20-jährigen Jubiläum des Titels.
Die Ehre hat ihren Aufpreis. Laut Vorlage für den Stadtrat vom Juli 2025 soll der Tag 132.150 Euro kosten, gut viermal so viel wie sonst. Die zusätzlichen 100.000 Euro entsprechen nach Angaben der Verwaltung einer Empfehlung der UNESCO-Kommission. Davon sind 30.000 Euro für den Festakt mit Bühne, Technik und Musik vorgesehen, 10.000 Euro für einen Rundgang mit Empfang und Catering für geladene Gäste. Der größte Einzelposten ist jedoch das Projektmanagement mit 40.000 Euro, dazu kommen 20.000 Euro für Werbekampagnen, Giveaways und Dokumentation. Rechnet man beides zusammen, fließen 60 der 100.000 Euro in Organisation und Eigenwerbung. Außerhalb dieser Summe soll die Regensburg Tourismus GmbH bis zu 20.000 Euro für einen Markt der Welterbestätten tragen.
Bemerkenswert ist die Lastenverteilung. Die Gastgeber aus Bonn, auf deren Empfehlung das Budget beruht, stellten selbst nur einen Betrag im unteren vierstelligen Bereich in Aussicht, und der war noch nicht einmal beziffert. Anträge bei Freistaat und Bund sollten erst noch gestellt werden.
Und was bekommt die Stadt dafür? Die Vorlage verspricht Berichte in ARD und ZDF, mehr Übernachtungen, Umsatz für die Gastronomie und eine höhere Umwegrentabilität. Beziffert wird davon nichts: keine erwarteten Besucherzahlen, keine Übernachtungen, kein Werbewert. Für einen einzigen Sonntag plant die Stadt eine sechsstellige Summe ein und verlässt sich beim Nutzen auf Zuversicht.
Kritik
Eine Einladung zur Ausrichtung ist kein Grund, die Kosten eines Aktionstags zu vervierfachen. Wer 100.000 Euro zusätzlich ausgibt, sollte vorher festlegen, welchen messbaren Nutzen er erwartet, und hinterher prüfen, ob er eingetreten ist. Dass 40.000 Euro allein für Projektmanagement anfallen, obwohl die Stadt den Welterbetag ohnehin jedes Jahr organisiert, spricht für eine zu großzügige Planung. Ohne verbindliche Zusagen von Freistaat, Bund und UNESCO-Gremien hätte die Stadt den Festakt kleiner planen oder die Kosten vorab mit den Einladenden teilen müssen.
VO/25/22178/45: UNESCO-Welterbetag 2026 mit bundesweiter Eröffnung in Regensburg, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 23. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.