Teurer Schatten aus Gerüsten mit Kletterpflanzen
Regensburg stellt für 85.000 Euro drei Gerüste für Kletterpflanzen in die Altstadt, die erst in zwei bis drei Jahren grünen Schatten spenden
Was ist passiert?
Der Neupfarrplatz liegt mitten in der Regensburger Altstadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Neben dem Kunstwerk von Dani Karavan steht dort die sogenannte lange Bank, ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen. Im Sommer brennt hier die Sonne, und Bäume lassen sich wegen Leitungen, Gewölben im Untergrund, Marktbetrieb und Denkmalschutz kaum pflanzen.
Die Lösung fand die Stadt bei einem französischen Hersteller. Im Juli 2025 beauftragte der Umweltausschuss das Gartenamt, drei sogenannte Urban Canopees aufzustellen. Das sind Gerüste aus Fiberglas auf einem 4,5 Tonnen schweren Stahlsockel, an denen Kletterpflanzen wie Wilder Hopfen hochranken sollen. Zusammen sollen sie 120 Quadratmeter Schatten werfen. Das Produkt ist patentiert, ein vergleichbares fand die Verwaltung nach eigener Aussage nicht. Vergeben werden sollte der Auftrag wegen Dringlichkeit nach den Vergabeerleichterungen des Freistaats. Für einen Versuch hatte man es erstaunlich eilig.
Die Kosten liegen bei 84.173 Euro brutto, gerundet 85.000 Euro. Allein die drei Gerüste kosten 49.500 Euro netto, die Kletterpflanzen 720 Euro. Für Schilder und Öffentlichkeitsarbeit sind 3.000 Euro eingeplant. Je Quadratmeter Schatten sind das rund 700 Euro (84.173 Euro geteilt durch 120 Quadratmeter). 65 Prozent sollen aus dem Smart-City-Förderprojekt REGENSBURG_NEXT kommen, die Stadt trägt 29.750 Euro.
Auf grünen Schatten müssen die Besucher allerdings warten. Bis mehrjährige Pflanzen ausgewachsen sind, können zwei bis drei Jahre vergehen. Deshalb bekommt das größte Gerüst im ersten Jahr zusätzlich ein Sonnensegel. Die Pflege soll jährlich 5.200 Euro netto kosten, Vandalismusschäden nicht eingerechnet. Die Straße an der Bank kann künftig nur noch von Hand gereinigt werden. Auch mit der viel gelobten Mobilität ist es nicht weit her: Umsetzen geht nur mit Spezialmaschinen, für längere Strecken müssen die Gerüste zusammengefaltet werden, wobei die Pflanzen brechen können. Für den Fall, dass sich das Klimalabor nicht bewährt, hält die Verwaltung schon einen Ausweg bereit: Die Gerüste könnten in einen Park oder einen Pausenhof umziehen.
Kritik
Rund 700 Euro je Quadratmeter Schatten für ein Gerüst, an dem in den ersten Jahren nur wenig grünt, sind ein stolzer Preis für einen Versuch. Dass die Fördermittel zwei Drittel der Kosten tragen, macht das Projekt nicht billiger, denn auch sie sind Steuergeld. Wer ein patentiertes Einzelprodukt unter Berufung auf Dringlichkeit ohne Preisvergleich einkauft, verzichtet auf jeden Wettbewerb. Ein schlichtes Sonnensegel, wie es die Stadt im ersten Jahr ohnehin aufspannt, hätte zunächst gezeigt, ob Schatten an der langen Bank überhaupt gebraucht wird.
VO/25/22262/67: R_NEXT Klimalabor: Beschattung der langen Bank am Neupfarrplatz, Maßnahmenbeschluss, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 16. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.