Teures Kreativteam für Regensburgs Verwaltung
Regensburg will ab 2028 jährlich 400.000 Euro für Ideen-Workshops mit Legosteinen zahlen, die eigene Rechnung zeigt 100.000 Euro Minus
Was ist passiert?
Regensburg (BY). Seit Juni 2022 hat die Stadtverwaltung ein eigenes „Labor der kreativen Köpfe“. Das Team berät Ämter bei Projekten und holt dafür Designer, Architekten oder Spieleentwickler hinzu. Außerdem schult es Mitarbeitende in Methoden wie Design Thinking oder LEGO® Serious Play®, bei dem die Teilnehmenden ihre Ideen aus Legosteinen nachbauen. Bezahlt wurde das bisher aus dem Bundesprogramm für Smart Cities, über das Regensburg sein Projekt REGENSBURG_NEXT finanziert. Ende 2027 läuft die Förderung aus.
Danach soll die Stadt selbst zahlen. Die Verwaltung veranschlagt rund 400.000 Euro im Jahr, davon gut 320.000 Euro für Personal. Darunter sind zwei Werkstudentenstellen, die erst noch beantragt werden müssen. Miete und Unterhalt sind in dieser Summe ausdrücklich nicht enthalten.
Damit sich das rechnet, legte die Verwaltung einen Businessplan vor. Er verspricht Einsparungen von 300.000 bis 480.000 Euro jährlich: weniger externe Berater, schlankeres Projektmanagement, bessere Zusammenarbeit. Für die beiden größten Posten von je 150.000 Euro verweist die Vorlage auf Studien, die mit einer bayerischen Stadtverwaltung wenig gemein haben. Eine trägt den Untertitel „Evidence from India“, eine andere untersucht agile Methoden in der Finanzindustrie.
Die Rechnung widerlegt sich zudem selbst. Setzt man die Untergrenze von 300.000 Euro gegen die Kosten von 400.000 Euro, fehlen jedes Jahr 100.000 Euro, die Miete noch nicht mitgezählt. Die Vorlage spricht trotzdem von „mindestens“ Kostenneutralität.
Als Beleg für den Erfolg nennt die Verwaltung eine Warteliste, einen Festivalvortrag und einen Auftritt im Deutschlandfunk-Hörspiel „Lob der Bürokratie“. Im selben Papier räumt sie ein, dass der städtische Haushalt ein durchgehendes strukturelles Defizit aufweist. Ausschuss und Stadtrat sollten im Juli 2025 die Verstetigung in Auftrag geben. Endgültig entschieden werden soll mit dem Haushalt ab 2028.
Kritik
Eine Stadt mit strukturellem Defizit sollte keine neue Daueraufgabe für 400.000 Euro im Jahr schaffen, nur weil eine Bundesförderung ausläuft. Einsparungen, die aus Studien über andere Länder und Branchen hochgerechnet werden, sind keine Gegenfinanzierung, und schon die eigene Untergrenze ergibt ein jährliches Minus von 100.000 Euro ohne Miete. Wenn das Labor wirklich Beraterkosten spart, müssen die Beraterbudgets der Ämter bis 2028 sichtbar sinken. Erst dann verdient es einen Platz im Stellenplan.
VO/25/22149/85: Maßnahmenbeschluss Verstetigung des Projekts "Labor der kreativen Köpfe", Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 3. Juli 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.