Staatsbilanz

Stadt/Regensburg/Fehlplanung

Teures Obdachlosenheim für nur fünf Jahre

Regensburg macht ein leeres Bürohochhaus für 1,53 Mio. Euro zum Heim für 46 Obdachlose, obwohl es nur höchstens fünf Jahre genutzt werden soll

Was ist passiert?

In der Daimlerstraße 2 steht ein Bürohochhaus aus dem Jahr 1963, das einst die Bundeswehr nutzte. Seit 2011 ist es leer, seit Mai 2020 gehört es der Stadt. Gleich nebenan liegt das Ankerzentrum. Nun soll das sogenannte Divisionsgebäude wieder bewohnt werden: Die Stadt will dort rund 46 obdachlose Menschen unterbringen, die kurzfristig keine Wohnung auf dem regulären Mietmarkt finden. Das Projekt trägt den Namen „Flexi-Haus“.

Flexibel ist vor allem die Laufzeit. Die Unterkunft gilt ausdrücklich als Zwischennutzung, bis für Gebäude oder Grundstück eine dauerhafte Bestimmung gefunden ist. Die Verwaltung rechnet mit höchstens fünf Jahren. Von den sieben Etagen lassen sich wegen des Brandschutzes nur drei belegen, die übrigen vier werden abgesperrt. Die Trinkwasserleitungen sind nach der langen Stilllegung nicht mehr zu gebrauchen, eine eigene Heizzentrale hat das Haus nie besessen. Deshalb sollen vor der Fassade Dusch- und WC-Container über drei Geschosse gestapelt und ein Heizcontainer aufgestellt werden. Die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes werden mit Verweis auf die kurze Nutzung nicht eingehalten.

Billig ist die Übergangslösung trotzdem nicht. Im März 2024 schätzte die Stadt die Kosten auf 1,154 Mio. Euro. Knapp ein Jahr später lag die Berechnung bei rund 1,53 Mio. Euro. Das sind 376.000 Euro oder rund ein Drittel mehr, und zwar noch bevor ein Generalunternehmer beauftragt ist. Je Bettplatz ergeben sich gut 33.000 Euro (1,53 Mio. Euro geteilt durch 46 Plätze). Auf fünf Nutzungsjahre verteilt, kostet allein der Umbau rund 306.000 Euro im Jahr.

Dazu kommt der Betrieb. Für Heizung, Strom, Wasser, Reinigung und Grünpflege rechnet die Stadt mit etwa 62.000 Euro jährlich. Hinzu kommen eine Hausmeisterstelle und bei Bedarf ein Sicherheitsdienst. Die Nutzungsgebühren sollen dagegen bis zu rund 70.000 Euro im Jahr einbringen. Einziehen sollen die ersten Bewohner bis Mitte 2026.

Kritik

Dass die Stadt ihrer Pflicht zur Unterbringung nachkommt und den Bewohnern bessere Räume bietet, ist nicht zu beanstanden. Fragwürdig ist aber, 1,53 Mio. Euro in ein Provisorium zu stecken, dessen Container und Haustechnik nach fünf Jahren womöglich nichts mehr wert sind, weil niemand weiß, was aus dem Hochhaus werden soll. Die Stadt besitzt das Gebäude seit 2020 und hätte diese Zeit nutzen sollen, um zuerst über die dauerhafte Nutzung zu entscheiden und dann einmal gründlich zu investieren. Eine Kostensteigerung um ein Drittel, noch bevor der Bau überhaupt vergeben ist, spricht zudem nicht für eine belastbare Planung.

VO/25/21855/64: Instandsetzung und Ertüchtigung von Teilen des "Divisionsgebäudes", Daimlerstraße 2, zum Zwecke der temporären Unterbringung von obdachlosen Personen (Flexi-Haus) - Technischer Beschluss gemäß DA-Bau, Ratsinformationssystem der Stadt Regensburg, 25. Februar 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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