33.000 Euro für Kochkurs-Material vorab
Saarbrücken zahlt 32.962 Euro für Broschüren, Postkartenständer und ein Gewinnspiel, bevor geklärt ist, ob die Kochkurse überhaupt gebraucht werden
Was ist passiert?
Die Landeshauptstadt Saarbrücken will Menschen mit wenig Geld und geringer Bildung zu gesünderer Ernährung verhelfen. Dazu plant das Amt für Gesundheit, Prävention und Soziales mit der Techniker Krankenkasse ein dreijähriges Projekt in Alt-Saarbrücken, Burbach und Dudweiler. Zunächst sollen Mitarbeitende sozialer Einrichtungen als Multiplikatoren geschult werden, später soll das Gelernte in ausgewählten Einrichtungen erprobt werden. Die Kasse trägt 498.525,88 Euro, abgewickelt über die Projektfirma Eco-Partner.
Nicht alles ist jedoch förderfähig. Nach der Vorlage vom 15. Januar 2026 sehen die Förderrichtlinien weder Ausgabematerialien noch Verpflegung vor. Die Stadt soll deshalb knapp 33.000 Euro selbst tragen, und zwar aus vorhandenen Restmitteln des Amtes. Die Kostenaufstellung weist 32.962 Euro aus: 8.000 Euro für Lebensmittel und Gewürze (40 mal 200 Euro), 6.000 Euro für die Pilotierung in zwei Einrichtungen, 3.600 Euro für Verpflegung bei den Schulungen, 3.442 Euro für 1.000 Broschüren mit je 200 Seiten, 2.400 Euro für Postkartenständer und 1.150 Euro für ein Gewinnspiel. Dazu kommen acht mobile Küchen. Kochkurse seien „unabdingbar“, heißt es zur Begründung. Für Lebensmittel leuchtet das ein, bei Postkartenständern und Gewinnspiel schweigt die Vorlage.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge. Laut Konzept beginnt das Projekt mit einer Bedarfsanalyse, in der die tatsächlichen Bedarfe erhoben und die Inhalte angepasst werden sollen. Eco-Partner veranschlagt dafür 25 Tage zu 950 Euro, also 23.750 Euro. Die Mengen für Broschüren, Küchen und Lebensmittel stehen dennoch schon fest, und der Stadtrat soll die Mittel am 10. Februar 2026 bewilligen, bevor eine einzige Befragung stattgefunden hat. Die städtischen Materialkosten liegen damit um 9.212 Euro über den Kosten der gesamten Bedarfsanalyse (32.962 minus 23.750 Euro). Dabei räumt das Konzept selbst ein, dass Einrichtungen oder Zielgruppe womöglich weder Ressourcen noch Interesse am Kochen mitbringen.
Kritik
Wer zuerst herausfinden will, was gebraucht wird, sollte nicht vorher festlegen, wie viele Broschüren, Küchen und Postkartenständer es geben soll. Die Stadt hätte ihren Anteil erst nach der Bedarfsanalyse beschließen und auf die Posten beschränken können, die für die Kochkurse nötig sind. Ein Gewinnspiel und Ständer für Postkarten gehören nicht dazu und lassen sich auch nicht damit begründen, dass das Geld ohnehin als Restmittel vorhanden ist. Auch Restmittel sind Steuergeld und gehören zurück in den Haushalt, wenn kein belegter Bedarf besteht.
VWT/0072/26: Gesundheitsförderung im Kontext bildungsferner und einkommensschwacher Gruppen anhand eines Ernährungsprojekts mit der Techniker Krankenkasse, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 10. Februar 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.