Saarbrücken kauft 159 Programme auf Vorrat
Die Stadt Saarbrücken zahlt 486.543 Euro für 159 zusätzliche Lizenzen der Verwaltungssoftware und danach 126.286 Euro mehr Wartung pro Jahr
Was ist passiert?
Das Informations- und Kommunikationsinstitut (IKS) ist der städtische IT-Dienstleister der Landeshauptstadt Saarbrücken und als Eigenbetrieb für die Technik der Verwaltung zuständig. Die Stadt arbeitet dabei mit Software von SAP, unter anderem für die Geschäftspartnerbuchhaltung.
SAP stellt sein Lizenzmodell um. Die bisherigen User-Lizenzen laufen zum 31.12.2027 aus, Bestandskunden müssen sich für Cloud oder eigenen Betrieb (On-Premise) entscheiden. IKS und Kämmerei wählten den eigenen Betrieb. Die Cloud hätte aufwendige technische Vorarbeiten erfordert, und über zehn Jahre gerechnet sei die Eigenlösung ohnehin günstiger, ab dem sechsten Jahr würde die Cloud teurer. Soweit ist das nachvollziehbar.
Doch das IKS ersetzt nicht nur, was ausläuft. Es stockt die Zahl der Benutzerlizenzen von 345 auf 504 auf, also um 159 oder rund 46 Prozent. Die Begründung: So könne man von den derzeit noch günstigen Konditionen bei einer zukunftsorientierten Systemnutzung profitieren. SAP gewährt Nachlässe und rechnet Altlizenzen anteilig an, will beides aber Jahr für Jahr abschmelzen.
Die neuen Lizenzen kosten 486.542,81 Euro. Das IKS zahlt sie aus liquiden Mitteln und reicht sie über 60 Monate an die Kernverwaltung weiter, das sind rund 8.100 Euro im Monat (486.542,81 Euro geteilt durch 60). Der Stadtrat soll dafür am 8.9.2026 den Wirtschaftsplan ändern.
Der dauerhafte Teil ist die Wartung. Sie steigt von 185.592,42 Euro auf 311.878,50 Euro im Jahr, ein Plus von 126.286,08 Euro oder 68 Prozent. Die Wartung wächst damit deutlich stärker als die Lizenzzahl. Legt man den Zuwachs allein auf die 159 zusätzlichen Lizenzen um, sind es rund 794 Euro je Stück und Jahr, bisher waren es im Schnitt rund 538 Euro je Lizenz (185.592,42 Euro geteilt durch 345). Über die zehn Jahre, die die Vorlage selbst als Maßstab nimmt, kommen so 1,26 Mio. Euro Mehrkosten zusammen, gut das 2,6-Fache der Anschaffung. Getragen wird das am Ende von der Stadt.
Kritik
Ein Rabatt ist kein Bedarf. Wer 159 Lizenzen allein deshalb kauft, weil sie gerade günstig zu haben sind, zahlt dafür jedes Jahr Wartung, ob die Lizenzen genutzt werden oder nicht. Sinnvoll wäre gewesen, nur so viele Lizenzen zu beschaffen, wie Nutzer tatsächlich arbeiten, und bei Bedarf später nachzulizenzieren. Die Stadt bindet sich so über Jahre an Folgekosten von 126.000 Euro jährlich für ein Polster, das vielleicht nie gebraucht wird.
IKS/0942/26: Wirtschaftsplanänderung IKS 2026 zur Finanzierung der Beschaffung von SAP-Lizenzen, Ratsinformationssystem der Stadt Saarbrücken, 8. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.