1,4 Millionen Euro für Kulturlabor ohne Raum
Stuttgart zahlt bis 2027 rund 1,4 Millionen Euro für einen Testbetrieb seines geplanten Kulturhauses, findet aber keine Räume dafür
Was ist passiert?
Die Landeshauptstadt Stuttgart plant seit Jahren ein Haus der Kulturen. Es soll ein Begegnungs- und Produktionsort für alle Bevölkerungsgruppen werden, besonders für junge Menschen. Das Programm sollen Migrantenkulturvereine gemeinsam mit anderen Initiativen gestalten. Wann das Haus entsteht, ist offen. Damit das erarbeitete Nutzungs- und Raumkonzept nicht nur auf dem Papier steht, wünschten sich mehrere Gemeinderatsfraktionen eine kleine Interimslösung: ein Reallabor mit rund 400 Quadratmetern Nutzfläche, zentral in der Innenstadt.
Die Stadt stellte dafür 645.000 Euro im Jahr 2024 und 360.000 Euro im Jahr 2025 bereit, zusammen 1,005 Mio. Euro für Planungsprozess und Projektlabor. Auch beim Personal wurde aufgestockt. Eine halbe Planungsstelle wurde entfristet, ein Planungsstab mit zwei Teilzeitstellen (50 und 60 Prozent) sollte hinzukommen, und für das Labor wurde eine 0,6-Stelle neu geschaffen.
Nur der Raum fehlte. Im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhof-Galeria scheiterte die Zwischennutzung an bautechnischen Gegebenheiten. Im April 2025 stellte das Liegenschaftsamt das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss der Eberhardstraße 63 in Aussicht, der Einzug war für Herbst 2025 vorgesehen. In der Vorlage vom Juni 2026 heißt es, der Einzug verzögere sich wegen baulicher Schwierigkeiten bis auf Weiteres.
Die Verwaltung hat aus der Not ein Konzept gemacht. Das Labor arbeite nun mobil und veranstalte an wechselnden Standorten Aktionen, die gut angenommen würden. Ein Raumkonzept lässt sich auf diese Weise allerdings kaum erproben, und genau dafür war das Labor gedacht.
Trotzdem sollen 2026 und 2027 je 200.000 Euro hinzukommen, für Planung, Projektlabor, laufenden Betrieb und ein Betriebskonzept. Zusammengerechnet sind das 1,005 Mio. Euro plus 2 mal 200.000 Euro, also rund 1,4 Mio. Euro in vier Jahren. Im Schnitt sind das gut 350.000 Euro pro Jahr für ein Labor, das noch keine eigene Tür hat.
Kritik
Ein Reallabor, das ein Raumkonzept praktisch erproben soll, braucht zuerst einen Raum. Die Stadt hätte Stellen und Budget erst dann aufbauen sollen, als eine bezugsfertige Fläche gesichert war, statt über zwei Jahre hinweg zu bezahlen und gleichzeitig zu suchen. Die weiteren 400.000 Euro sollten gesperrt bleiben, bis die Eberhardstraße 63 tatsächlich nutzbar ist. Sonst finanziert Stuttgart dauerhaft ein Provisorium für ein Haus, dessen Bau nicht absehbar ist.
0449/2026 BV: Sachbeschlüsse und Informationen zu den Haushaltsberatungen 2026/2027 der Abteilung Integrationspolitik, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 15. Juni 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.