Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Fehlplanung

Stuttgarter Klärwerk: 7,6 Mio. Euro für Lkw-Fahrten

Stuttgart zahlt 7,6 Mio. Euro, um verschmutztes Wasser aus dem Klärwerk vier Jahre per Lkw abholen zu lassen, weil die eigene Anlage kaputt ist

Was ist passiert?

Im Hauptklärwerk Stuttgart-Mühlhausen verbrennt die Stadtentwässerung, ein Eigenbetrieb der Landeshauptstadt, ihren Klärschlamm selbst. Die Abgase werden dabei gewaschen. Zurück bleibt belastetes Waschwasser, im Fachjargon Wäscherabstoß, das eigentlich in einer betriebseigenen Anlage behandelt werden sollte.

Diese Anlage ist laut Vorlage so schwer beschädigt und dauerhaft so leistungsschwach, dass sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt. Wann und wodurch es dazu kam, bleibt offen. Als Notbehelf leitete man das Waschwasser zwischenzeitlich in die biologische Abwasserreinigung. Dort reicherte sich Quecksilber an. Das Regierungspräsidium Stuttgart verlangte daraufhin, den Wäscherabstoß bis auf Weiteres außer Haus zu entsorgen.

Seit 2025 holt deshalb die Firma HIM GmbH das Waschwasser ab und bringt es nach Biebesheim. Der Vertrag galt zunächst für zwei Jahre, mit der Option auf zweimal ein weiteres Jahr. Am 22.09.2026 stimmte der zuständige Ausschuss ungeändert zu, die volle Laufzeit auszuschöpfen. Kostenpunkt: 7,57 Mio. Euro brutto, also rund 1,89 Mio. Euro im Jahr. Das sind etwa 5.180 Euro an jedem einzelnen Tag (1,89 Mio. Euro geteilt durch 365 Tage).

Die Verwaltung hält die Ausgabe für alternativlos. Ohne Fremdentsorgung sei der Betrieb der Verbrennungsanlage gefährdet, dann müsse der gesamte Klärschlamm extern entsorgt werden. Eine kurzfristige technische Lösung gebe es nicht. Von einer langfristigen ist in der Vorlage allerdings ebenfalls keine Rede.

Bezahlt wird die Abfuhr ausgerechnet aus dem Investitionsprojekt „Erneuerung Sprühtrockner WSO 3“. Auch die Klimabilanz ist bemerkenswert: Auf dem Deckblatt heißt es, die Maßnahme habe keine Auswirkungen auf den Klimaschutz. Einige Zeilen weiter rechnet die Stadt selbst vor, dass der Abtransport in vier Jahren 12.820 Tonnen CO2 verursacht.

Kritik

Vier Jahre lang knapp 1,9 Mio. Euro jährlich für Lastwagenfahrten auszugeben, ohne gleichzeitig Reparatur oder Ersatz der eigenen Anlage auf den Weg zu bringen, macht aus einer Notlösung einen teuren Dauerzustand. Spätestens als absehbar war, dass die Verlängerungsoptionen gebraucht werden, hätte die Stadtentwässerung einen bezifferten Sanierungsplan vorlegen müssen. Dass dafür Mittel eines Erneuerungsprojekts herhalten, verschiebt das Problem nur in die Zukunft. Zudem muss geklärt werden, wer die Schäden an der Anlage verursacht hat und ob sich das Geld von Herstellern oder Baufirmen zurückholen lässt.

0876/2026 BV: Hauptklärwerk Mühlhausen - Entsorgung Wäscherabstoß aus der Rauchgasreinigung der Schlammverbrennung durch Firma HIM GmbH - in Stuttgart., Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 22. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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