Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Kostensteigerung

Hallenbad auf dem Papier zu teuer

Stuttgart setzt für ein neues Hallenbad 60,5 statt 37,8 Mio. Euro an und zählt dabei 7,7 Mio. Euro für höhere Baupreise doppelt

Was ist passiert?

Im Stadtteil Sonnenberg steht seit 1976 ein Hallenbad mit vier Becken und einer Fünf-Meter-Sprunganlage. Hier schwimmen Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit. Das Gebäude ist weitgehend im Originalzustand. Die Dachkonstruktion wird seit Jahren aufwendig überwacht, und Gutachter geben ihr eine Lebensdauer bis 2029. Dass ein Ersatz kommen muss, bestreitet niemand.

Strittig ist der Preis. 2020 setzte die Stadt für den Neubau 37,8 Mio. Euro an. Laut Vorlage vom September 2026 sollen es nun 60,5 Mio. Euro sein, also 22,7 Mio. Euro oder 60 Prozent mehr. Als Grund nennt die Verwaltung die Baupreise. Von Ende 2020 bis Mitte 2024 seien sie um 39,12 Prozent gestiegen, bis zur Mitte der Bauzeit kämen jährlich 3,5 Prozent hinzu. Fertig sein soll das Bad Mitte 2032.

Aufschlussreich ist die Kostentabelle in der Anlage. Schon die alte Summe enthielt eine „Baupreisprognose“ von 17,5 Prozent, also gut 4,09 Mio. Euro. Mit den pauschalen Baunebenkosten von 36 Prozent sind das rund 5,56 Mio. Euro (4,09 × 1,36). Dieser Puffer war genau für die Teuerung bis zum Baubeginn gedacht. Ersetzt wurde er durch die tatsächlich eingetretene Teuerung jedoch nicht. Die Stadt schlug die 39,12 Prozent auf die vollen 37,8 Mio. Euro auf, die alte Prognose eingeschlossen. Das ergibt 37,8 × 0,3912 = 14,79 Mio. Euro, exakt den Betrag der Tabelle. Der alte Puffer wuchs dadurch auf rund 7,7 Mio. Euro (5,56 × 1,3912) und steht nun neben einer neuen Prognose von 7,91 Mio. Euro. Rund ein Drittel des Kostensprungs entfällt damit auf Teuerung, die doppelt gezählt ist.

Beschlossen werden sollen zunächst nur rund 5 Mio. Euro für die Planung. Eine belastbare Kostenberechnung soll Ende 2027 folgen. Bundesgeld ist nicht in Sicht: Der erste Förderantrag scheiterte, weil das Programm überzeichnet war. Über den zweiten war bei Vorlage noch nicht entschieden. Das Regierungspräsidium hat die Stadt bereits aufgefordert, ihr Investitionsprogramm zu verkleinern. Den Auftrag, nach Einsparpotenzialen zu suchen, enthält die Beschlussvorlage gleich selbst. Fündig würde man schon in Anlage 2.

Kritik

Dass das marode Bad ersetzt werden muss, ist unstrittig. Eine Kostenannahme, die dieselbe Teuerung zweimal einrechnet, ist es nicht. Die Stadt hätte die Prognose von 2020 durch die tatsächlich eingetretene Preissteigerung ersetzen müssen, statt beides zu addieren. Wer ohne Not 60,5 Mio. Euro in die Finanzplanung schreibt, setzt die Messlatte für alle weiteren Planungen zu hoch an, und gerade unter dem Spardruck des Regierungspräsidiums gehört diese Rechnung korrigiert, bevor weiteres Geld fließt.

0954/2026 BV: Ersatzneubau Hallenbad Sonnenberg, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 23. September 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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