Stadtwerke Stuttgart verlieren 77.000 Euro am Tag
Stuttgarts stadteigene Strom- und Gasfirma machte 2025 gut 28 Millionen Euro Verlust und investierte nur die Hälfte des Geplanten
Was ist passiert?
Die Stadtwerke Stuttgart wurden 2011 gegründet, um einen nachhaltigen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Unter ihrem Dach sind inzwischen Stromnetz, Strom- und Gasvertrieb, Wind- und Solarparks, Ladesäulen und 23 weitere Tochterfirmen versammelt. Auf dem Weg zur Klimaneutralität 2035 sollen sie kräftig investieren.
Die Bilanz für 2025 fällt ernüchternd aus. Der Verlust stieg von 20,3 auf 28,2 Mio. Euro. Das sind rechnerisch rund 77.000 Euro an jedem Tag des Jahres (28,2 Mio. Euro geteilt durch 365). Übernehmen muss ihn die Muttergesellschaft SVV. Die Umsätze legten um 0,3 Mio. Euro auf 22,6 Mio. Euro zu. Im selben Jahr kamen 37 neue Beschäftigte hinzu. Der Personalaufwand wuchs um 29,6 Prozent auf 20,6 Mio. Euro, also um rund 4,7 Mio. Euro. Auf jeden zusätzlichen Euro Umsatz kamen damit gut 15 Euro zusätzliche Personalkosten (4,7 Mio. geteilt durch 0,3 Mio.). Die Zinsen stiegen von 7,0 auf 10,8 Mio. Euro.
Mehr Personal brachte allerdings kein höheres Tempo. Investiert wurden 49,8 Mio. Euro, geplant waren 96 Mio. Euro. Neue Erzeugungsanlagen gingen mit 4.020 kWp in Betrieb, vorgesehen waren 12.800 kWp. Bei den Wärmepumpen sah der Plan 64 Anlagen vor, vollständig in Betrieb gingen zwei. Von zehn Windparkgesellschaften erzielte nur eine ein geringes Plus. Die Verwaltung nennt als Gründe schwachen Wind und Ausfälle von Anlagen.
Das Geld der Stadt fließt trotzdem weiter. Die Stadtwerke zehren noch von einer Kapitaleinlage über 100 Mio. Euro aus dem Jahr 2022. Für 2026 bis 2029 stehen jährlich weitere 25 Mio. Euro im Haushalt, zudem läuft ein städtisches Darlehen über 150 Mio. Euro. Ein Finanzierungskonzept für den Konzern wird derzeit erst erarbeitet. In derselben Vorlage räumt die Verwaltung die „mangelnde Rentabilität vieler Geschäftsbereiche“ ein. Die strategischen Ziele sollen 2026/2027 überarbeitet werden. Die nächsten Einlagen sind bis dahin schon eingeplant.
Kritik
Wer bei fast unverändertem Umsatz die Personalkosten um knapp ein Drittel erhöht und dabei nur die Hälfte der geplanten Investitionen umsetzt, hat ein Steuerungsproblem. Die Verwaltung bestätigt selbst, dass viele Geschäftsbereiche nicht rentabel sind. Trotzdem stehen bis 2029 jährlich 25 Mio. Euro für die Stadtwerke bereit, bevor ein Finanzierungskonzept existiert. Zuerst müssen Ziele und Geschäftsfelder überprüft werden, erst danach darf weiteres Kapital fließen.
0911/2026 MV: Stadtwerke Stuttgart GmbH - Jahresabschluss 2025, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 7. Oktober 2026. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.