Staatsbilanz

Stadt/Stuttgart/Folgekosten

172 Euro im Jahr für jede Taube in Stuttgart

Stuttgart zahlte 2024 rund 259.000 Euro für betreute Brutplätze von 1.500 Tauben, zweieinhalbmal so viel wie 2020, und baut ungeprüft weiter

Was ist passiert?

In der Landeshauptstadt sollen Stadttauben nicht auf Fensterbänken und Dachrinnen brüten, sondern in eigens dafür gebauten Unterkünften. Seit 2009 hat die Stadt dafür 23 sogenannte Taubenobjekte errichten lassen: Schläge, Türme, Brutwände und sogar Bauwagen. Den Betrieb übernimmt der Tierschutzverein Stuttgart und Umgebung, die Rechnung begleicht laut Kooperationsvertrag die Stadt. In den Schlägen werden die Tiere gefüttert, die Räume gereinigt und die Eier gegen Gipsattrappen getauscht, damit der Nachwuchs ausbleibt. Der Kot landet im Schlag statt an Fassaden, Abwehrvorrichtungen an umliegenden Gebäuden sollen so überflüssig werden.

Der Bau kostete insgesamt 414.000 Euro, im Schnitt also 18.000 Euro je Objekt (414.000 Euro geteilt durch 23). Auf Dauer schwerer wiegt allerdings der Betrieb. 2024 lagen die Betriebskosten bei 258.818 Euro, zweieinhalbmal so hoch wie 2020. Die Verwaltung erklärt das vor allem mit dem Personal: Die Zahl der Ehrenamtlichen sinkt, die Zahl der Schläge steigt. Heimisch sind in allen Objekten zusammen rund 1.500 Tauben. Rechnerisch kostete damit jede einzelne Taube die Stadt 2024 gut 172 Euro (258.818 Euro geteilt durch 1.500), jedes Objekt gut 11.250 Euro.

Ob sich dieser Aufwand lohnt, ist offen. Eine Prüfung, welche Standorte im Verhältnis zum eingesetzten Geld tatsächlich etwas bewirken, war nach Angaben der Verwaltung wegen der steigenden Kosten ohnehin vorgesehen. Im November 2025 lag sie noch nicht vor. Am Ausbau änderte das nichts: Drei weitere Objekte befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Bau.

Auf den Tisch kam die Kostenfrage erst in den Beratungen zum Haushalt 2026/2027, als eine Kürzung der Betriebsmittel im Raum stand und SPD und Volt einen Antrag zum „Erhalt eines wirksamen Taubenmanagements“ stellten. Die Verwaltung räumte ein, mit weniger Geld ihre Zusage an den Tierschutzverein nicht mehr im bisherigen Umfang erfüllen zu können. Ein Konzept, um den Betrieb der Schläge zu straffen, soll erst noch gemeinsam mit dem Verein entstehen.

Kritik

Ein Projekt, dessen laufende Kosten sich binnen vier Jahren verzweieinhalbfachen, gehört geprüft, bevor man es ausbaut, nicht danach. Stuttgart hat die umgekehrte Reihenfolge gewählt und weitere Schläge gebaut, während die angekündigte Erfolgskontrolle auf sich warten ließ. Rund 172 Euro je Taube und Jahr lassen sich nur rechtfertigen, wenn feststeht, welche Standorte tatsächlich Gebäude entlasten und den Bestand begrenzen. Schläge ohne messbare Wirkung hätten längst geschlossen und neue erst nach einer solchen Prüfung in Auftrag gegeben werden müssen.

1827/2025 AN HHA-SN 01: Erhalt eines wirksamen Taubenmanagements, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 19. Dezember 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.

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