Ein Schafstall wird zur Millionenfrage
Die Stadt Stuttgart sagt 690.000 Euro für ein Farmhaus zu, dessen Kosten in vier Jahren um 74 Prozent gestiegen sind, und wartet die Prüfung der Baukosten nicht ab.
Was ist passiert?
Im Elsental am Stuttgarter Stadtrand betreibt ein Verein eine Jugendfarm. Kinder töpfern dort und versorgen Tiere, auf dem Gelände sind außerdem eine Kindergarten- und eine Naturgruppe untergebracht. Mittelpunkt ist das Farmhaus. Es war einmal ein Schafstall und dient seit 1976 der Jugendfarm. Das Haus ist nicht richtig gedämmt, die Heizung ist marode und manche Räume lassen sich gar nicht heizen. Im Dach haben sich Nager eingenistet. Eine Sanierung lohne sich nicht mehr, heißt es in der Vorlage. Deshalb soll das alte Gebäude abgerissen und neu gebaut werden. Der Neubau soll Töpferveranda, Futter- und Sattelkammer und Büro aufnehmen. Hinzukommen sollen ein Schutzraum für die Kindergarten- und Naturgruppe und ein neuer Gruppenraum.
Bemerkenswert ist, wie die Kosten gewachsen sind. Für den Doppelhaushalt 2022/2023 wurden 629.510 Euro angemeldet. Für 2024/2025 kamen 290.500 Euro Mehrkosten hinzu, für 2026/2027 ein weiterer Mehrbedarf. Inzwischen nennt die Vorlage Gesamtkosten von 1.096.514 Euro. Das ist ein Plus von rund 467.000 Euro oder 74 Prozent. In der Kostentabelle derselben Vorlage stehen dagegen 1.069.514 Euro. Die Stadt übernimmt 75 Prozent der anrechenbaren Kosten. Bei 1.096.514 Euro wären das 822.386 Euro. Zugesagt sind vorerst höchstens 690.000 Euro. Die übrigen 132.386 Euro sind als Mehrbedarf für den nächsten Doppelhaushalt angemeldet.
Ob der Preis angemessen ist, wusste beim Beschluss niemand. Die Stadt hatte das Hochbauamt um eine Stellungnahme gebeten, ein Ergebnis lag aber noch nicht vor. Der Sozial- und Gesundheitsausschuss beschloss den Zuschuss am 6.10.2025 trotzdem, ungeändert und mit dem Zusatz, dass die Baukosten angemessen sein müssen. Der Baubeginn war für Herbst 2025 geplant. Die Prüfung, die eigentlich vor der Entscheidung stehen sollte, kommt damit im besten Fall parallel zu den Bauarbeiten.
Kritik
Die Kosten für das Farmhaus einer Jugendfarm sind in drei Haushaltsrunden von 629.510 auf fast 1,1 Mio. Euro geklettert. Ein solches Vorhaben hätte vor jeder weiteren Zusage gründlich geprüft werden müssen. Stattdessen hat die Stadt den Zuschuss beschlossen, bevor ihr eigenes Hochbauamt die Baukosten beurteilt hatte, und ein Vorbehalt auf dem Papier ersetzt diese Prüfung nicht. Die Stadt hätte die Stellungnahme abwarten und mit dem Verein klären sollen, welche der neuen Räume wirklich nötig sind.
1037/2025 BV: Investitionszuschuss für die Jugendfarm Elsental e. V., Im Elsental 3, 70569 Stuttgart - Neubau Farmhaus, Im Elsental 3, 70569 Stuttgart, Ratsinformationssystem der Stadt Stuttgart, 29. September 2025. Zahlen gegen die Vorlage geprüft, gerechnete Werte nachgerechnet. Maßgeblich ist der Stand der Vorlage; spätere Beschlüsse sind nicht berücksichtigt.